Mannheim
Compact Memory

Israelitisches Predigt-Magazin · 1875-08-01 · 11-12 (8.1875) · p. Seite 294

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
11-12 (8.1875)
Date
1875-08-01
Page
Seite 294 (sequence 54)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9616701-9619452-9619730--0333-9619784
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

294 Gott, der ein Gott der Liebe ist, gibt uns nicht dem Tod und Untergange preis;" ״ich werde leben und nicht sterben;" dies ist die trostreiche und vertrauensvolle Hoffnung, welche wir in uns tragen. Liebe muß darum auch unser Leben sein, um der Liebe Gottes und der Menschen auf Erden wie im Himmel gewiß zu werden. — Und so war das Leben dieser Frau, an deren Bahre wir jetzt stehen: der Liebe voll im Leben und darum auch der Liebe gewiß im Tode bei Gott und Menschen. Wohl entbehrte sie der Kämpfe im Erdenleben nicht, wie keiner der Sterblichen, aber sie betrachtete doch die Erde nicht wie ein Jammerthal, in das Gott den Menschen gesetzt habe: sondern sie blieb sich der Weisung ihrer väterlichen Religion bewußt, daß Gott die Erde zum Paradiese für den Menschen geschaffen habe, dessen er, wie die Schrift sagt, nur durch Sünde verlustig wird. Sie suchte ihr paradiesisches Glück hier nicht außen in der geräuschvollen Welt, sondern im stillen häuslichen Kreise; da fand sie es in der Familie, in der Umgebung ihres Gatten und ihrer Kinder, der Hoffnung voll, auch im Jenseits ein paradiesisches Glück in himmlischer Seligkeit zu finden. Ihre Schwester ging ihr im Tode früh voran, eine zahlreiche Familie und einen trauernden Gatten h int erlassend. Dies war ihr Veranlassung, an die Stelle der Verstorbenen zu treten und zweite Gattill des Mannes, wie zweite Mutter seiner Kinder zu werden. Die Pflicht hat sie zu dieser Stelle berufell, aber Liebe hat sie in derselben geübt. Denn nicht blos das Denkell des kalten Verstalldes und die Nothwendigkeit des äußer!: Bedürfnisses hat sie dazu veranlaßt, sondern die warme Empfindung ihres fühlenden Herzens hat sie dazu gedrängt, und so gehörte sie denn auch dem neuen Berufe ihres Lebens mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit der vollen Kraft ihres Strebens an. Sie wurde eine wahre Hausstau und Mutter, ganz und voll Hingebung im Kreise ihrer Familie u!ld in der Umgebung ihrer Kinder thätig, deshalb nach Außen Hill auch bescheiden und anspruchslos und ohne große Anforderungen an das Lebe!:. Klar im Denken aber und voll Herzensgüte, reich an Menschenkenntniß und Lebenserfahrung, wie sie war, war sie Jedem angenehm, der ihr nahe trat im Umgang und Leben. Und dennoch sind Kämpfe, Duldungen und Entbehrungen des Lebeils ihr nicht erspart geblieben, — sie waren die Schule ihres Lebens; aber in der Umgebung liebender Kinder, durch die Pflege und Liebenswürdigkeit, welche ihr von diesen bis zum letzten Tage ihres Daseins entgegen getragen wurde, selbst seitens ihrer Stief-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.