Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 11-12 (8.1875)
- Date
- 1875-08-01
- Page
- Seite 293 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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מיתה מכפרת Der Tod sühnt. Grabrede von Rabbiner Di־. Rothschild in Alzey. Meine in Andacht und Trauer versammelten Brüder!*) So oft wir auch dem Tode begegnen, — und wir begegnen ihm oft in der Natur wie im Leben — immer erfüllt er unser Herz und Gemüth mit Wehmuth und Trauer. Ja! das Leben des Menschen ist eigentlich ein Sterben; — indem wir leben, sterben wir, aber auch, indem wir sterben, leben wir. Und hierin liegt schon ein Beweis für die Unsterblichkeit unsrer Seele, für das Wiedersehen unserer Lieben, denn unser Sterben ist eigentlich ein Leben. Jeder Athemzug im Leben bringt uns dem Tode näher, er ist ein Theil unsres Lebens; unsre Thätigkeit im Leben, — sie ist eigentlich unser Leben, und sie ist es auch, welche unser Leben aufreibt, unser allmaliges Sterben bewirkt und bedeutet. Wie mit jeder Pendelbewegung ein Stück Zeit fortgehl, so mit jedem Athemzuge ein Stück unsrer Lebenszeit, mit jeder Thätigkeit ein Stück unsrer Lebenskraft. Aber dies ist unser Trost, wenn unsere Lieben wir im Tode scheiden sehen: Wir haben damit gleichzeitig die Hoffnung auf deren Fortleben und unsre dereinstige Wiedervereinigung mit ihnen, weil ihr Sterben Leben bedeutet, und unser Leben ein Sterben ist. ״Unser *) Diese Rede wurde unter ganz eigenthümlichen Umständen gehalten. Die Situation des Redners bietet vielleicht auch dem Leser Interesse. Mehrere Töchter der Verstorbenen sind nämlich getauft und an getaufte Staatsbeamte verheirathet. Ein Schwiegersohn derselben ist geborener Christ und evangelischer Pfarrer. Die Beziehungen der Getauften zu den Juden sind aber doch theilweise innig, wie es auch die der Mutter waren. Die verwittwete Mutter lebte als Jüdin im Hause ihrer getauften Kinder, welche mit darauf bestanden, daß der Ritus der Beerdigung ein streng jüdischer sei, obwohl sie selbst zum Theil ihr Christenthum ostentativ zur Schau tragen. Im Leichenconducte befanden sich außer den leidtraaenden Söhnen und Schwiegersöhnen Juden u. Christen.