Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 11-12 (8.1875)
- Date
- 1875-08-01
- Page
- Seite 287 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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287 spurlos verschwunden sein sollen, warum verschloß man denn vor uns so ängstlich der Länder Grenzen, der Städte Thore, warum richtete man dann zwischen uns und Anderen solch hohe Scheidewände, warum zwang man uns dann, besondere Abzeichen zu tragen? etwa aus Furcht, wir könnten für Menschen gehalten, mit Menschen verwechselt werden? Ihr seht, m. A., die Behauptung, daß wir zu existiren aufgehört, war nicht so ernst gemeint, sie beruhte mehr auf einem Wunsche, als auf einer Thatsache: man wünschte uns vom Erdball verschwunden zu sehen, und da ist es nicht zu verwundern, wenn man zuweilen daran glaubte. Aber dieser Wunsch hat sich G. s. D. nicht erfüllt, und dieser Glaube wurde in jedem Jahrhundert von neuem zu Schänder; gemacht. Man kann wahrlich unsern Gegnern den Vorwurf nicht machen, daß sie es zu irgend einer Zeit an dem nöthigen Eifer haben fehler; lassen, uns den Untergang zu bereiten. Sie haben vielmehr ihr Möglichstes gethan, sie ließen auch nicht eine Waffe, auch nicht ein Mittel unversucht, uns aus der Welt zu schaffen; selbst wenn es eine Schuld wäre, daß wir noch existiren, ihre Schuld ist es sicherlich nicht. Daß wir also doch existiren und daß wir nicht tödtlich zu treffen, das mußte man schließlich, ob man wollte oder nicht, zugeben; es fragt sich, was gegnerischerseits von diesem Fortleben gehalten, welche Bestimmung unserem Dasein beigemeffer; wird. Viele lassen sich dazu herbei, einzurüumen, Israel habe einst im grauen Alterthume eine hohe Sendung gehabt und dieselbe auch zum Theil erfüllt, es habe eine heilige Lehre empfangen, dieselbe eine Zeit lang gepflegt und gehütet, diese Lehre sei aber später mit den veränderten Zeitverhältnissen unhaltbar geworden und habe eine entsprechende Erweiterung und Vervollkommnung erst durch eine neue Lehre erhalten. Diese neue Lehre nun, habe nüt ihrem Eintritte in die Welt die alte verdrängt und Israel überflüssig gemacht; dieses jedoch, das sich der Annahme der neuen Lehre hartnäckig widersetzt, führe nur ein Scheinleben, voll Täuschung und Verblendung, nähre eitle Träume, trügerische Hoffnungen von seiner Zukunft. Andere sind insofern entgegengesetzter Meinung, als sie zu behaupten sich rächt entblöden, wir seien doch nicht so ganz überflüssig auf Erde!!, unser Dasein diene vielmehr einem guten Zwecke. Der Gott der Liebe, fageu sie, habe uns dazu erhalten, über uns darum unsäglich Leid gehäuft, damit wir ein warnendes, abschreckendes Beispiel abgebeu für Ketzer und Irrgläubige, die sich in ihrer Verstocktheit gegen die neue Heilslehre verschließen, damit wir fluchbeladen dahintaumeln von Jahrhundert zu Jahrhurrdert als die furchtbarer; Zeuger; seines Grimmes.