Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 11-12 (8.1875)
- Date
- 1875-08-01
- Page
- Seite 280 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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28« הזה ועתה הייתי לשני מחנות (Gen. 32,11) ״fürwahr! mit meinem Wanderstab setzte ich über den Jordan, bei meinem Verlassen Paläftina's, und nun bin ich geworden zu zwei Lagern", und wenn auch diese zwei Lager, die Tochterreligionen, oft, ach nur zu oft, gegen die Mutterreligion sich versündigten und Israel oft beten mußte: הצילני נא מיד אחי מיד עשו (das. V. 12) ״rette mich vor ihm, sowohl wenn er sich als meinen Bruder, als auch wenn er sich als Esav zeigt": so ist es doch hocherfreulich, wahrzunehmen, daß das Schöne und Gute, dessen sich die Töchter rühmen, bereits die alte Mutter, der sie entstammen, zieret. Tief schmerzlich aber bei diesem geschichtlichen Rückblick unseres vielhundertjährigen Lebens in der Zerstreuung ist das Moment, an welches ganz besonders der neunte Ab mit düsterem Ernst erinnert: es ist dies Israels Jugendsünde. Wie der Unglücksmann, von dem wir einleitend vorbildlich sprachen, Jahr für Jahr die Stätte seiner traurigen Erlebnisse aufsucht, um neben beit Gefühlen der Erbauung an der Gnade Gottes die Wahrheitserkenntniß der selbstanklagenden Gewissensstimme in sich regen zu lassen: so muß Israel bei den ergreifenden Nationalklängen, die am 9. Ab in den jüd. Bethäusern und Herzen erschallen, in erster Reihe jener Jugendsünden gedenken, welche das zweimalige Einäschern seines nationalen Heiligthums bewirkten. Denn 8 ,1 חטא חטאה ירושלים על כן לנידה חיחח) ein zwiefaches Vergehen beging Jerusalem, um dessentwillen seine Bewohner in die Verbannung gesandt wurden" (s. Raschi). Der erste Tempel ward nämlich, wie die Alten lehren, (Joma 9, d) wegen der vorherrschenden Laster des Götzendienstes, des Blutvergießens und der Blutschande zerstört. Der zweite Tempel aber, da doch während dessen Bestand Lehre, Gesetz, Fröinntigkeit und Wohlthätigkeit gepflegt waren, מפני מה נחרב um welchen Capitalvergehens willen ist er zu Grunde gegangen? מפני שהיחד, בו שנאת הנם ist die beschämende Antwort ״wegen des Partheihasses, welcher unter Israel herrschte." ללמדך ששקולה ש״ח כנגד נ׳ עברות ע״ ז ג״ע ״ וש״דDas kann uns belehren, daß Partheihaß in der Wagschaale des Gottesgerichts gleich schwer wiegt wie die drei Hauptsünden des Götzendienstes, der Blutschande und des Blutvergießens." Die erste Jugendsünde ist Gottlob schon längst gesühnt und gebannt. Eine geläuterte Gottesverehrung, Familienheiligkeit und Lebensweihe — unveräußerliche, heilige Güter, die das moderne Israel zieren und erheben — haben schon längst das dreifache Capitalvergehen, die das Judenthum der ersten Tempelperiode an den Rand des Verderbens brachten, in Vergessenheit gebracht. Wie ist > ' ׳ chi