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Israelitisches Predigt-Magazin · 1875-08-01 · 11-12 (8.1875) · p. Seite 279

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
11-12 (8.1875)
Date
1875-08-01
Page
Seite 279 (sequence 39)
Language
German
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27S Israel in seiner vielhundertjährigen Wanderung. Es hat innerhalb dieser großen Zeitläufte, während welcher die Weltgeschichte so oft ihr Kleid und — ihr inneres Leben gewechselt hat, einsehen gelernt, daß der Bestand seiner Existenz nicht an den Grund und Boden Palästina's geknüpft sein müsse, daß es aber unter allen Umständen zum Leucht- und Leitstern bei seiner Wanderung die Wahrheit des proph. Lehrsatzes: ״ חלקי הי אמרה נפשי על כן אוחיל לוmein Antheil ist Adonai, so spreche meine Seele, die Volksseele Israels, daher harre ich Sein" (Klgl. 3, 24) wählen müsse, wenn die Verbindung mit dem Ewigen, seinem Gotte, nicht gelockert werden solle. Und jetzt, nachdem Israel in seiner achtzehnhundertjährigen Wanderung einen Ruh- und Haltpunkt endlich erreicht hat und mit rückwärts gewandtem Auge die verschlungenen Gänge und gewundenen Pfade seiner Züge überblickt; so wird es, weil den Thatsachen der Geschehnisse entrückt und für die Beurtheilung derselben befähigt, mit dankbarem Aufblick zu dem Lenker seiner wunderbaren Geschichte und Geschicke, nachgerade bestätigt finden, was der Schmerzensprophet mitten unter dem Drang der auf Israel einstürmenden Leidensfülle bereits klar erschaut hat, die Erkenntniß nämlich: מפי עליון לא רתצא ה ר עוות והטוב daß ״aus des Höchsten Mund nicht her- Vorgehen viele Unglücksfälle und etwas Gutes" (Klgl. 3, 36), wohl aber die vermeintlichen und wirklichen Unglücksfälle selbst zu unserem Wohl gereichen. Israel wird in richtiger Würdigung seines Geschickes und der durch dasselbe erzielten, für die civilisirte Menschheit gereisten, erziehlichen Resultate demselben elegischen, aber in seinem weichen Herzen die Wahrheit der Prophetenschau klar refiecttrenden Seher beipflichten: ״ טוב לגבר כי ישא ערל םנערהירes ist noch für den Mann heilsam, so er in der Jugend des Unglücks Joch übernommen" (das. 3, 27). Bei diesem geschichtlichen Rückblick und der Beurtheilung seiner Selbstschau wird Israel zwar, die Gegenwart zum Sehpunkt gewählt, kaum sich selbst erkennen und den von der Zerstörung Jerusalems berechneten Ausgangspunkt kaum klar und unpartheiisch beurtheilen; gleichwohl ist es Pflicht, die Gegenwart in ununterbrochener Verbindung mit der jüd. Geschichtsvergangenheit zu betrachten, ferner Pflicht, bei diesem Rückblick nicht nur das Freudige, sondern auch das Schmerzliche sich vor die Seele zu führen. Freudig möchten wir das, durch den Zusammensturz seiner staatlichen Machtstellung hervorgerufene und ermöglichte Erziehungsmoment nennen, wodurch Israel der Lehrer geworden zweier mächtiger Religionen. Er kann mit seinem Stammvater Jakob freudig sprechen: כי במקלי עברתי את הירק

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