Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 11-12 (8.1875)
- Date
- 1875-08-01
- Page
- Seite 281 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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281 es aber mit dem שנאת חנם in unseren Tagen bestellt? Hat das gereiste Israel auch diese seine Jugendsünde schon gesühnt? Oder wüthen nicht vielmehr des Bruderhasses, des Partheihaders Furien heutzutage noch mehr als ehedem? Orthodoxe und Neologen, oder wie sie sonst heißen mögen, die erfundenen, unrichtigen und nnheimlichen Benennungen, deren sich die Einen schämen, die Anderen rühmen, haben sie nicht des Bruderhasses verzehrende Gluthen in einer Weise angefacht, daß die wilden Elemente verheerendum sich greifender Flammen das jeruf, Heiligthnm, so es sich neuerdings durch Gottes Gnade ans den Trümmern erhöbe, auch noch zum drittenmale zu Asche brennen würden? Da stehen sie sich gegenüber die feindlichen Brüder פצו עליך פיהם כל איביך (Klgl. 2, 16) ״öffnen in Feindseligkeit den Mund, als wären sie von Mutterschooß her die erbittertsten Feinde," deren Hanptstreben dahingeht: בלענו wie sie sich verschlingen und gegenseitig anfreiben können! Müssen wir bei so bewandten Umständen nicht noch heute schmerzlich ausrufen: ״ עודינה תכלינה עינינו אל עזרתינו - חבלnoch heut schmachten unsere Angen nach einer Selbsthilfe, aber leider vergeblich!" (das. 4, 17). Wann willst du endlich einmal Weisheit annehmen, Tochter Zions? Israel, alter Jüngling! wann wirst du endlich deine alte Jugendsünde ablegen? Genügt Dir noch immer nicht deine beispiellose Leidensschule mit dem Jahrtausende alten Ruf ״ich bin der Mann, der das Unheil gesehen mit seines Grimmes schreckensvoller Ruthe!" (das. 3, 1). Hat dir die Ruthe des Parteihasses noch nicht genug Wunden geschlagen, dir nicht in geistigem, religiösem und socialem Leben Verheerungen genug beigebracht, Verheerungen, die fürwahr! Gift und Dolch in Mörders Hand nicht in dem Maaße hätten bereiten können. Soll denn deines langmüthigen Erziehers Rügewort: ״Israel, ein widerspenstiges, störriges Volk warst du von jeher" nie getilgt werden aus deinem Sündenregister? Soll denn fort und fort das Klagewort vernommen werden müssen: ״ נחנו פשענו ומרינוso wir selber gegen uns sündigen", so wir in gehässigem Streit gegen uns verharren, אתח לא ״ סלחתda kannst Du, o Gott, nicht verzeihen" (das. 3,42), ״Selbst die grausamsten Ungeheuer reichen die Brust um ihre Jungen zu säugen, nur meines Volkes Tochter handelt grausamer — ähnlich den Wüstensträußen, die sich selbst zerfleischen" (das. 4, 3). Wie lang noch soll Berechtigung haben die anklagende Frage: אבתינו ״ חטאו ואינםunsere Väter sündigten und sind durch Parteihaß zu Grunde gegangen; ואנחנו עונותיהם טבלנו sollen denn wir aber auch ihre Sünde und Sündenstrafe übernehmen!?" (das. 5, 7).