Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 11-12 (8.1875)
- Date
- 1875-08-01
- Page
- Seite 278 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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278 ist eine schmerzliche Erfahrung, so alt wie der Mensch. Allein unser Unglücksheld macht eine rühmliche Ausnahme. Er hat ein weiches, empfängliches, für die so oft bewiesene göttliche Gnade dankbar verpflichtetes Herz. Ehe er von der traurigen Stätte seines Unglücks scheidet, gelobt er, zu ihr Jahr für Jahr zurückzukehren, um daselbst seine Vergangenheit an seinem inneren Auge vorüber- und Trost, Gottvertrauen, wenn auch unter Weh- und Schmerzgefühlen, in seine Seele einziehen zu lassen. Wer, m. a. Z., ist dieser Unglücksmann, von dem wir so eingehend sprachen. War es ein Bild, oder lebenstreue Wirklichkeit? Fürwahr keine Dichtung; Wahrheit ist's; nicht ein Mann, ein Volk ist's, Israel ist's, das wir hier in großen Zügen schilderten! Nach Jahrhunderte langer Vorbereitung an Geist und Gemüth errichtete Israel unter göttlichem Beistand zweimal sein jerus. Heiligthum mit der ausgesprochenen Bestimmung ״ בצלו נחיה בגויםunter seinem schützenden Schatten inmitten einer Welt voll Barbaren sich zu behaupten." (Klgl. 4,20). Zweimal sah es seine politisch-staatliche Selbstständigkeit erstarken und — zusammenbrechen. Zweimal jammerte es in schmerzdurchzucktem Aufschrei: ממרום שלה אש ״ בעצמותי וירדנהvon oben schleuderte Er Feuersgluth in meine Gebeine, ha! wie es da wüthete und aufloderte" (das. 1, 13); zweimal war's Israel beschieden, daß seiner Wanderung Bettelstab, ״seiner Sünde Joch in seiner Hand erblühte" (V. 14). Gleich der Vorherverkündigung Deines Schmerzenspropheten, Jeremias, mußtest Du Israel בכה הבבה zweimal weinen ob der zweimaligen Unglücksnacht des 9. Ab, an welchem חשב ה׳ להשחית ״ חומת בת ציוןes der Herr für gut fand, niederzureißen die Mauern Zions" (das. 2, 8). Allein ״Gott schüttete aus die Schaale seines Ingrimms blos auf Holz und Gestein"; die Mauern Zions sind gefallen, das Heiligthum ist eingeäschert. Das Höchste aber ist unversehrt geblieben dem Volke Zions: Er, der Unwandelbare. An ihn ist aber auch Israels Volksexistenz geknüpft. ״Denn ich Gott" — sagt Maleachi (3, 6) — ändere mich nicht, und ihr Söhne Jakobs, geht nicht zu Grunde" כשם שאני לא שניתי ולא עתיד אני להשתנות כך אתם בית יעקב לא שניתם ולא עתידים אתם ״ להשתנות אלא ואתם הדבקים בה׳ אלהיכםSo wie ich, erklären unsere Weisen, (Derech Er. Sut. 11), mich nicht verändert habe und mich nie verändern kann, so bist du Haus Jakobs nicht zu Grunde gegangen und wirst nicht zu Grunde gehen, sondern bleibst in ewiger Verbindung mit dem Ewigen, deinem Gott." Die unwandelbare Wahrheit dieser Zusicherung erfuhr das Haus Jakob —