Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 11-12 (8.1875)
- Date
- 1875-08-01
- Page
- Seite 275 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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278 Sinne vertreten wollen, sein Name bedeutet eine Fahne, um die wir uns schaaren, die wir Hochhalten wollen mit Begeisterung, eine Fahne, in deren Schatten wir muthig kämpfen und mit göttlicher Hilfe auch siegen werden! Amen. Du aber, o Herr, der Dil über Leben und Tod gebietest, der Du die Pforten des Grabes bewegst in ihren Angeln und die Thore der Ewigkeit öffnest nach Deinenl Willen, was sollen wir Dir, o Gott, sagen an diesem Grabe, was anheimstellen Deiner endlosen Vaterhuld? Bist Du nicht der Allwissende, ewig Gütige? Unersorschlich sind Deine Wege, und Deine Rathschlüsse, wer kann sie ergründen? Ohnmächtig sind wir Staub geborenen und können nichts wissen, und darum beugen wir uns in Demuth Deiner Allgewalt. Doch das wissen wir, daß Du die Geschicke der Nationen an einem unsichtbaren Faden lenkest, und an den wunderbaren Wendungen der Geschichte Israels erkennen wir Deine leitende Vaterhand. Du hast Deinem Volke Lehrer erstehen laffen, die den Strom Deiner Wahrheit in seine Mitte leiteten, Propheten und Seher hast Du ihm entsendet, die seinen Boden mit ewigen Ideen befruchteten, Du hast es Deinem Volke nie an Männern voll Thatkraft und Geistesstärke fehlen laffen, so oft an das Judenthum große Aufgaben herangetreten, die eine dringende Lösung erheischten. Als einen solchen Mann, dessen Leben nicht sich selber, sondern unserer gesammten Nation gellen sollte, hattest Du einst auch den Verklärten berufen, an dessen Grabe wir hier stehen, und die Aufgäbe, die zu lösen er sich gedrängt linb getrieben fühlte, er hat sie selber öfters ausgesprochen und uns vor Augen gestellt, es ist die große, weitumfassende Aufgabe: Wisseirschaft und Glauben einander zu vermälen, auf daß der Geist der Zeit und der Geist des Judenthums freundlich sich begegnen, Licht und Wahrheit in Liebe sich umfassen. Wenn Du, o Gott, eine solche treibende und bewegende Kraft unserem Volke entzogen, was können wir da anders, als demuthsvoll die Worte stammeln: ד נתן רד לקח יהי שם ד &ברך ״Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen, der Name des Herrn sei gelobt." Doch wenn auch die Sonne untergeht, so' bleibt ja die Herrliche Saat, die sie aus dem Boden gelockt und die Blüthen welken nicht, die ihre Strahlen hervorgerufen. Und so kann auch das Große, das der Verklärte vollbracht, nicht dem Untergange geweiht fein, die Schule, die er gestiftet, der er das Gepräge feines Geistes auf- Israelitisches Predigt-Magazin. August, September 187s. 17 *