Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 11-12 (8.1875)
- Date
- 1875-08-01
- Page
- Seite 272 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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272 der hier Vorüberwandelnde seine Schritte hemmen, sinnend wird er hier verweilen und glücklich preisen ein Geschlecht, das ein Zacharias Frankel miterziehen und fördern geholfen. Und unsere jüdische Nation, sollte sie jemals im Taumel des Glückes ihre hohen Aufgaben vergessen und sich selbst entwürdigen, dann wird von diesem Grabe aus eine stummberedte, tiefernste Mahnung die pflichtvergessene treffen, oder sollte sie in der Zeiten unberechenbarem Wechsel von Außen her jemals wieder Haß und Verfolgung leiden müssen, dann wird die verzagte neuen Muth und neue Erhebung finden an dieser Stätte. Doch was Frankens verklärte Lichtgestalt unserem Volke bedeutet, das wird Israels Geschichte hervorzuheben und zu würdigen wissen, allein was wir, denen es vergönnt gewesen, an den Lippen des großen Mannes zu hangen und seiner lebendigen Belehrung und Weisheit zu lauschen, was wir dem theuern Andenken des Lehrers schulden, was uns sein Name bedeutet, das, meine Freunde, lasset uns jetzt betrachten, bevor wir den letzten Scheidegrüß Nachrufen dem verklärten Meister. Als wir an seiner Bahre standen, da blieben wir seine Schüler, aus deren Mitte gleichsam er sich losgerungen, da blieben wir stumm, denn wir waren betäubt von dem unerwarteten Schlage und fanden keine Worte für unfern grenzenlosen Schmerz. Mit trauerumflortem Blicke schauten wir dem Lehrer nach in das enge, düstere Grab und überließen gereifteren Männern die jammervolle Klage.*) Unser Schmerz hat noch seinen Stachel nicht verloren. Gleichwie — der Sage nach — von den Trümmern Jerusalems, so tönt es auch von diesem Grabeshügel täglich zu uns herüber: ״Wehe, daß mein Haus zerstört ist, wehe, daß meine Kinder verscheucht find vom Tische ihres Vaters." Nach und nach nahmen wir es immer deutlicher wahr, wie groß, wie mannigfaltig unser Verlust, erst allmälig fingen wir es an zu begreifen und lebendig zu empfinden, was wir in Lehre und Leben eingebüßt. ״ כיון שמת אהרן נסתלק הענןAls Ahron starb", sagen in sinnigem Bilde unsere Weisen, ״sei zugleich auch die Wolke verschwunden, die Israel in der Wüste geleitet." Und auch wir, meine Freunde, haben in unserem Lehrer, in ihm, den: geweihten hohen Priester der Wissenschaft, auf den die Worte ihre volle Anwendung finden konnten: ״ וללוי אמר תמיך ואוריך לאיש חסידךVon Lewi sprach er: Licht und Wahrheit, sie eignen diesem Frommen", auch *) Herr Dr Adolph Schwarz, nunmehr Rabbiner in Carlsruhe, hatte damals im Namen seiner ehemaligen Collegen das Wort ergriffen.