Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 11-12 (8.1875)
- Date
- 1875-08-01
- Page
- Seite 268 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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268 seligen Treiben, das nur zur Trennung und zum Zwiespalt führen konnte. Auch er war nicht blind für die Schäden und die Auswüchse, welche eine allzu einseitige Entwickelung im Judenthum erzeugt hatte. Auch er hatte den Geist der modernen Zeit in sich ausgenommen, vielleicht mehr als irgendeiner von denen, die sich als die bevorzugten Organe des Zeitgeistes betrachteten, aber mit donnernder und weithinhallender Stimme erhob er sich dagegen, daß um der einzelnen Schäden und Gebrechen willen die ganze bisherige Entwickelung des Judenthums sollte preisgegeben werden, mit edler Entrüstung sprach er es aus, daß dem Judenthum durch diese Loslösung von seinem geschichtlichen Boden der Untergang bereitet werde. Und dieses muthige Austreten Frankel's, es wurde in den weitesten Kreisen mit Anerkennung und mit Jubel begrüßt, und unerwartet war er, der sich bisher stets bescheiden im Hintergrund gehalten hatte, an die Spitze einer neuen Richtung getreten. Wie einst Mose, so hatte auch er in der Stunde der Gefahr ausgerusen: מי לך״)' אלי ״Wer es mit dem Ewigen hält, der komme zu mir", wer es gut meint mit dem Judenthume, wer das Judenthum in seiner Eigenart erhalten will, ohne es der Verknöcherung preiszugeben durch starres Festhalten an dem, was sich bereits geschichtlich überlebt hat, wer den Forderungen der Zeit Gehör schenken will, ohne das Judenthum einer gewaltsamen Ueberfluthung durch fremde Elemente auszusetzen, der schließe sich mir an, der folge meiner Fahne. ויאספו אליו כל בני לוי ״Und es sammelten sich um ihn, den Sprößling aus dem Hause Levi's, alle Leviten", eine große Schaar hervorragender Männer gab Frankel in begeisterten Worten ihre Zustimmung zu erkennen und erblickte fortan in ihm ihr Haupt und ihren Führer. M. A. Ich würde die meiner Rede gesetzten^Grenzen bei Weitem überschreiten müffen, wollte ich Euch auch nur die Hauptmomente von Frankel's Wirksamkeit seit jener Zeit vor Augen führen. Mit immer steigender Anerkennung, mit immer wachsendem Erfolge war er thätig für diejenige Richtung, in welcher er das Heil des Judenthums erblickte. Die Versöhnung des Judenthums mit dem Leben auf dem Boden der jüdischen Wissenschaft und im engsten Zusammenhangs mit der ganzen vorangegangenen geschichtlichen Entwickelung des Judenthums, das war das Ziel, für das er unablässig wirkte, dem er unverbrüchlich treu blieb sein ganzes Leben lang, trotz der mannigfachen Angriffe, die gegen ihn gerichtet wurden, trotz der Verkennung und Verketzerung, die bald von der einen, bald von der anderen Seite ihm zu Theil geworden sind. Und wahrlich, m. A.,