Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 11-12 (8.1875)
- Date
- 1875-08-01
- Page
- Seite 269 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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2ttv •■'-׳ז :*־ Niemand war wie er dazu berufen, eine solche Versöhnung anzubahnen und herbeizuführen, denn gleichsam -an der Grenzscheide zweier Geschlechter stehend, hatte er tiefer als irgend ein anderer den Geist der alten wie der neueil Zeit erfaßt. Gesättigt von dem Wissensstoffe beider Zeiten, hatte er den Geist und die Anschauungen derselben in seiner eigenen Person in mustergültiger Weise zu einem harmonischen Ganzen verschmolzen. Als Talmudjünger hatte Frankel schon in früher Jugend sich eine ausgedehnte Kenntniß des jüdischen Schristthums erworben, die er durch unausgesetzte Forschung erweiternd, zuletzt beherrschte, wie Keiner neben ihm. Als einer der hervorragendsten Talmudgelehrten aus der alten Schule hätte Frankel gelten können, wenn er nicht durch seine ebenso tiefe wie vielseitige wissenschaftliche Bildung auf der andern Seite wieder als ein ausgezeichneter Vertreter der modernen Wissenschaft hätte anerkannt werden müffen. Allein diese beiden Wissensgebiete gingen in seinem Geiste nicht etwa nur neben einander her, ohne sich gegenseitig zu berühren, nein, er hat in der Geschichte der Wiffenschast sich gerade dadurch einen unsterblichen Namen gesichert, daß er Einer der Ersten war von Denen, welche die jüdischen Religionsschriften im Geiste der modernen Wissenschaft, nach der Methode kritischer und systematischer Forschung zu behandeln unternahmen. Seinem Einfluffe ist es zum großen Theile zu verdanken, wenn das Studium der jüdischen Theologie sich hente zu der Höhe einer wiffenschaftlichen Disciplin emporgeschwungen hat, er ist es gewesen, welcher den Talmud und die an denselben sich anschließende Literatur der wissenschaftlichen Welt erst zugänglich gemacht hat. Er hat den Geistesstrom moderner Forschung in das Bett der jüdischen Theologie hinübergeleitet, und hat auf der andern Seite wieder der allgemeine:! Wissenschafk, der Weltliteratur, ein neues Gebiet urbar gemacht, aus welchem den anderen Wissensgebieten so mancher befruchtende Keim zugeführt werden konnte. M. A. Durch die ganze lange Reihe von Schriften, die Frankel's Geist entsprungen sind, zieht sich derselbe Plan, dieselbe Absicht, das jüdische Schristthum und vor Allem den Talmud einzureihen in den Organismus der allgemeinen Wissenschaft, und so der jüdischen Literatur eine achtunggebietende Stellung auch nach Außen hin zu sichern. Während man eine Zeit lang selbst in jüdischen Kreisen, wenn sie auf moderne Bildung Anspruch machten, vom Talmud nur mit Geringschätzung p sprechen pflegte, ist es Frankel gelungen, den Talmud als die Grundlage der jüdischen Theologie wieder zu Ehren zu bringen und auch in weiteren Kreisen von Neuem die Auftnerksamkeit auf denselben zu lenken.