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Israelitisches Predigt-Magazin · 1875-08-01 · 11-12 (8.1875) · p. Seite 267

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
11-12 (8.1875)
Date
1875-08-01
Page
Seite 267 (sequence 27)
Language
German
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267 trauriges Geschick die Juden gewiesen hatte, das nicht mehr vor jeder Berührung mit der Außenwelt ängstlich zurückschreckte, das den! geistigen Leben der Zeit mit Theilnahme folgte und seine geistige Nahrung nicht mehr, wie es bis daher geschehen war, ausschließlich aus dem jüdischen Schriftthum schöpfen wollte, sondern Verlangen danach trug, seinen Durst nach Wissen zu stillen aus dem damals gerade mit hinreißender Gewalt dahinbrausenden Strome deutscher Bildung. Wie mußte diese regsame, aber-doch immer noch unreife Jugend sich den! Judenthum entfremdet fühlen, wenn sie nach einem solchen kurzen Ausflüge in den deutschen Dichtergarten, nach einem solchen erfrischenden Bade in dem lebhaft quellenden Strome deutschen Geisteslebens zurückkehrte zu ihrem mütterlichen Boden und die Erstarrung und die geistige Dürre gewahrte, welche damals die Oberfläche des Judenthums ergriffen hatte. Die Männer, welche als Führer an der Spitze der Gemeinden standen, sie hatten sich in jenen Tagen gleichsam aus Furcht vor dem Luftzug einer neuen Zeit, je mehr das Streben nach allgemeiner Bildung, nach Theilnahme an dem modernen Geistesleben in den Gemeinden an Ausdehnung gewann, desto strenger abgeschlossen von allen Strömungen der Außenwelt, sie wagten aus dem engen Kreise nicht hinauszuschauen, der für sie noch immer allein die Welt bedeutete, sie wiesen schroff zurück jeden Anspruch, welcher den Forderungen der Neuzeit nur irgendwie gerecht zu werden suchte. So war es denn gekommen, daß im Gegensatz zu jener Richtung, die allerdings hinter dem Geist der Zeit zurückgeblieben war und kein Verständniß hatte für die innerhalb der Gemeinden austauchenden neuen Bedürfnisse und Bestrebungen, daß im Gegensatz zu jener Richtung eine andere Richtung Raum gewann, die, gereizt durch den unberechtigten unbedingten Widerspruch und durch keine Rücksicht auf die doch nun einmal unbeugsame Gegenpartei gehemntt, entschlossen war, sich dem sogenannten Zettgeist bedingungslos zu fügen und ohne Bedenken Alles aufzugeben, was diesem auf den ersten Blick zu widersprechen schien. Es traten Männer auf, die im dünkelhaften Bewußtsein ihrer geistigen Ueberlegenheit sich nicht scheuten, über alles Altehrwürdige schonungslos den Stab zu brechen und ihren Spott und Hohn zu üben an Allem, was mit ihren Anschauungen nicht im Einklang stand. Die geschichtliche Entwickelung des Judenthums sollte verlaßen werden und das Judenthum eine neue, willkürliche und nur für den Augenblick berechnete Gestatt annehmen. M. A. Noch hatte jene Richtung ihr letztes Wort nicht ausgesprochen, da trat Frankel auf und gebot Einhalt diesem Unglück- Israelitische« Predigt-Magazin. August 287s. 17

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