Mannheim
Compact Memory

Israelitisches Predigt-Magazin · 1875-08-01 · 11-12 (8.1875) · p. Seite 266

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
11-12 (8.1875)
Date
1875-08-01
Page
Seite 266 (sequence 26)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/9616701-9619452-9619730--0305-9619756
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

266 hat, und von so großem und segensreichen: Erfolge auch seine öffentliche und amtliche Wirksamkeit begleitet war, die ganze Größe dieses Mannes tritt erst dann zu Tage, wenn wir seine Persönlichkeit in ihrem innersten Kern erfassen, wenn wir gleichsam das geistige Eentrum finden, aus welchem heraus, wie die Lichtstrahlen aus der Sonne, seine einzelnen Leistungen in die Welt gedrungen sind. Ein großer geschichtlicher Charakter kennzeichnet sich ja im Allgemeinen besonders dadurch, daß sein ganzes Leben und Wirken bei aller Mannigsaltigkeit der einzelnen Bestrebungen, trotz der Verschiedenheit der Gebiete, in welche die einzelnen Leistungen fallen, dennoch überall von einen: und demselben Gedanken getragen wird, von einem Gedanken, welcher, bewußt oder unbewußt, das Grundprinzip dieses ganzen Lebens bildet. Das ist dann die geschichtliche Aufgabe eines solchen Mannes, das ist die Sendung, zu welcher die Vorsehung ihn berufen hat, daß er diesen Gedanken ausspreche und in's Leben einführe, daß er für ihn wirke und eintrete mit der ganzen Macht seiner Persönlichkeit. Ein solcher Gedanke ist es auch, welcher das ganze Leben Frankens, seine öffentliche wie seine wsisinschastliche Wirksamkeit, vom ersten Tage seines Auftretens bis zu seinem Ende, durchdringt und durchzieht. Und wenn ich Euch diesen Gedanken mit einem Wort bezeichnen soll, es ist die Versöhnung, die Versöhnung des echten Judenthums mit der neuen Zeit, mit dem Leben der Gegenwart, die Versöhnung der Parteien innerhalb des Judenthums, die Versöhnung u. Verschmelzung der jüdischen Wissenschast mit der allgemeinen Wissenschaft unserer Zeit. M. A. Die vermittelnde und versöhnende Richtung, die Frankel innerhalb des Judenthums eingeschlagen hat, sie kann erst dann richtig begriffen und gewürdigt werden, wenn wir einen Blick werfen auf die Zeit, in welche sein erstes öffentliches Auftreten fällt, wenn wir die Verhältniffe in Betracht ziehen, die ihn fast wider seinen eigenen Willen an die Spitze einer neuen Richtung gestellt haben. Es war die Zeit, wo innerhalb des Judenthums die heftigsterr Kämpfe ausgebrochen waren, wo ein tiefer Riß sich aufgethan, der die Bekenner unseres Glaubens fast in zwei gefouberte Lager zu trennen drohte. Seit dem glorreichen Beispiele, das Moses Mendelssohn der deutschen Judenheit gegeben hatte, und durch den nachhaltigen Einfluß dieses geistesgewaltigen Mannes hatte sich auch in jüdischen Kreisen der Sinn für moderne Geistesbildung, die Empfänglichkeit für das Geistesleben der Gegenwart immer mehr und mehr erschlossen. Allmälig war ein neues Geschlecht herangewachsen, das aus den engen Gassen sich herauswagte, in welche ein

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.