Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 11-12 (8.1875)
- Date
- 1875-08-01
- Page
- Seite 263 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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369 Empfindung ausgenommen worden, hier sei ein Mann von uns geschieden, mit dessen Bedeutung sür das Judenthum keiner der Mitlebenden sich messen könne. M. A. Aber nicht eine Klage anzustimmen um den großen Todten kann heut, am Sabbathtage, und an dieser Stelle, welche der Belehrung und der Verkündigung des Gottesworts geweiht ist, meine Absicht sein. Es würde sich auch nicht geziemen, wollte ich bei dem Tode eines solchen Mannes zu Euch sprechen von dem herben Schmerze, den ich selbst empfand, und den ich noch empfinde über den Verlust jenes theuren Mannes, den ich meinen Meister, meinen Lehrer nannte, zu dessen Füßen ich gesessen, dessen Worten ich mit Begeisterung gelauscht, dem ich eine lange Reihe von Jahren hindurch mich fast täglich nahen durfte, der mir ein väterlicher Freund gewesen ist. Wie Mose nach dem Tode Nadab's und Abihu's zu Aron und p dessen Söhnen sprach: Wenn auch die so plötzlich Dahingerasften Eurem Herzen am nächsten standen, so dürft Ihr doch der Klage und der Trauer über den Verlust, den Ihr persönlich erlitten habt, nicht zu lauten Ausdruck geben, ואחיכם ״ כל־בית ישראל יבכו את השרפה אשר שרף ה׳denn nicht Ihr allein, alle Eure Brüder, das ganze Haus Israels hat zu beweinen den Brand des Ewigen, der hier hat stattgefunden"; so, meine Theuren, muß auch beim Tode Frankens die Klage des Einzelnen verstummen vor dem gewaltigen Verluste, den die Gesammtheit, den das ganze Haus Israels erlitten hat. Und auch der Hinblick auf das Leben des großen Mannes, der uns entrissen worden, er gäbe uns, seinen trauernden Verehrern, keinen Grund zur Klage und zur Trauer. Nein, nicht zur Klage, zum tiefsten Danke gegen Gott müßten wir uns gedrängt fühlen, wenn wir nur den Inhalt dieses Lebens allein betrachten würden. Im Greisenalter ist Zacharias Frankel von uns geschieden, in einem Alter, das die dem Menschen gesetzte Lebensgrenze noch um mehrere Jahre überschritten hat, und bis zu seinem letzten Augenblicke hat er die Jugendfrische sich bewahrt; sein Geist ist nicht ermattet, seine Hände sind nicht schlaff geworden von der Arbeit, der er mit seltener Treue sich gewidmet hat. Und welche Lebensarbeit hat er vollbracht! Auf einen der hervorragendsten Plätze innerhalb des Judenthums gestellt, hat er bis zu seinem letzten Tage gewirkt, geschafft mit einem Erfolge, wie sich deffen nur wenige Menschen rühmen können. Ihm war das seltene Glück beschieden, noch während seines Lebens die von ihm ausgestreute Saat üppig keimen und sprossen und reisen zu sehen, und sich zu erfreuen an dem reichen Segen, der dem Judenthum erblühte aus seiner Wirk-