Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 11-12 (8.1875)
- Date
- 1875-08-01
- Page
- Seite 262 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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2V2 O, meine Verehrten — wo solcher Verlust uns Alle getroffen, was ist das Wort, das karge Lippenwerk, — was eine Rede, die ein treuer Schüler hält, wo ganz Israel verloren hat. Wenn ich rede, was ist es mehr, als ein Ton in des großen Volkes Klage, den ich dem Meister als kleinen Zoll des Dankes schulde? was ich rede, was ist's mehr als die Stimme der Natur? Ihr aber, meine Theuren, wenn Ihr mit mir trauert, wenn Ihr mit mir weint, wenn Ihr mit mir klagt, dann haben wir den Meister mehr geehrt, mehr aber noch, wenn wir nun nicht vergessen, das Licht zu schauen, das er gepflegt, den Dust zu athmen, den er hat aufsteigen lassen. Leben in seiner Lehre, dienen in seinem Geiste, Frieden fördern und die Lehre läutern, forschen und lieben, von allen Völkern Wahrheit lernen und des Judenthums Aufgabe treu erfüllen, das wird in unserer Trauer unser größter Trost sein. Leben wird der Meister, wie Jakob lebt, leben wird er, wie das Gerechte nie vergeht, sein Weg sei Pfad für uns! Amen. m. * Gedächtnisrede auf Zacharias Krankel, gehalten am Sabbath כי תשא in der Synagoge zu Hildesheim von Landrabbiner vr. Guttmann. Andächtige Versammlung! Dem Andenken eines Mannes soll mein heutiges Wort gewidmet sein, der erst vor wenigen Wochen zu seinen Vätern heimgegangen ist, dessen Verlust jedoch noch lange, lange Zeit hindurch schmerzlich wird empfunden werden an allen Orten, wo für das Judenthum, für jüdisches Leben und für jüdische Wissenschaft noch Sinn und Verständniß herrscht, der unvergessen bleiben wird für alle Zeiten in der Geschichte des jüdischen Geisteslebens, das durch den Einfluß seines großen Geistes so mächtig rst gefördert worden. Ich brauche wohl in Eurer Mitte den Namen des Mannes kaum zu nennen, denl diese Worte gelten. Hat doch die Kunde von dem Tode Zacharias Frankens weit hinaus über die Grenzen unseres Landes in allen jüdischen Kreisen den schmerzlichsten Wiederhall gefunden, ist sie doch überall, wo man der Entwickelung des'Judenthums nur mit einiger Theilnahme gefolgt war, mit der