Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 11-12 (8.1875)
- Date
- 1875-08-01
- Page
- Seite 261 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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261;/•■V seinem Geisteslicht, er versöhnte die Geister und Menschen, Gemeinden und Israel mit andern Völkern. Sein Herz schlug warm für ganz Israel, nicht nur für eine Parthei, nicht nur für einen Stamm, für Alle schlug sein großes Herz. Ihm galt nicht so hoch das Feuer des Elijahu, nicht der Sturm seiner Begeisterung, nicht die Gluth seines Schmerzes, als die Geduld des großen Hillel, die Sanstmuth seiner Versöhnlichkeit, die Langmuth seiner Nachgiebigkeit, die Groß- Herzigkeit seines weiten Blickes. Und in diesem Geiste wirkte auch unser Dahingeschindene vor seinen Schülern, die seinen Frieden weiter trugen. Wo sie hingezogen, erlischt zumeist die Flamme der Zivitracht und füllen sich die Risse des Hasses, und verjüngte Kraft treibt neues Leben in den Herzen der Versöhnten. Und wenn meine Vorträge Eure Herzen erhoben und Euren Geist erhellt haben, wenn Ihr mir zustimmtet und mit mir ausstiegt zu hohem Sinnen, o, meine Themen, so hat er, der Hingeschiedene, einen großen Antheil an der Schaffung solcher Freuden. Sein Geist hat mich begeistert und ich hab's zu Eurem Herzen hin getragen. Und dieser große Meister lebt nicht mehr! Er war ein liebevoller Lehrer, in dem der Mensch sein volles Recht behielt, das Licht seines Denkens zehrte nicht an den Säften seines Gemüthes, sondern vermehrte es. Wie ein Vater sorgte er für uns, seine Schüler, ihn schmerzte unser Weh, ihn freute unser Sieg, ihn beglückte unser Fortschritt, ihn erfüllten unsere Hoffnungen. Er sorgte, daß wir nicht darbten, er sorgte, daß wir frei blieben. Und wie selbstlos bescheiden war er in seinem Unterricht. Oft wenn schon uns die Ungeduld ergriff über einen Frager, der seine eitle Meinung nicht verwinden konnte, wenn wir murrten über die Zudringlichkeit des Mitschülers, war der Meister noch ruhig und sanft und suchte gutmüthig den Frager zu beruhigen. Einst hatte der große Mann in solchem Dispute gegen einen seiner besseren Schüler eine Aeußerung gethau, die etwas hart war, ohne doch sehr - zu verletzen. Kaum war der Unterricht geschlossen, so reute den edlen Lehrer selbst dieses Wort und er ließ seinen Schüler zu sich kommen und beruhigte ihn und ,zeigte ihm sein treues Lehrer- Herz. Der Fremde, der zu ihm kam, faitb einen freundlichen Empfang und wer da lernen wollte, ging nie unbelehrt von ihm hinweg. Seine Zeit hatte er von ernster Arbeit voll, und wenig blieb ihm selbst für sich, und dennoch hatte, er stetK Zeit für seine Schüler, auch Zeit für anderer Begehr. Mit seiner Geistesgröße verband er Herzensgüte, mit seiner Hoheit Einfachheit.