Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 11-12 (8.1875)
- Date
- 1875-08-01
- Page
- Seite 260 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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260 Halle deutschen Denkens und Dichtens ein. Groß war der Mann und groß sein Denken, und dennoch war der Segen seines Werkes getrübt, weil er mit Vorliebe von dem neuen Wissensquelle trank. Und seine Kinder und seine Schüler und seine Jünger und seine Freunde, o, sie haben zum Theil das Judenthum ganz verlassen, sind Gegner desselben geworden. Und siehe, in Israel brach ein Geist der Feindseligkeit an, der im eigenen Fleische wühlte, die Famitten und Gemeinden trennte, die Herzen spaltete und den ganzen Geist des Judenthums verdunkelte und gefährdete. Die Einen wollten das Judenthum dem fremden Denken opfern, die Andern wiesen auch das fremde Gute von sich, Zügellosigkeit und Sklaverei, dreiste Ueberhebung und kriechende Feigheit kämpften um die Herrschaft. Und Israel stand eben erlöst aus dem härtesten Drucke egyptischer Knechtung, und hier ward der Mund der Zügellosigkeit, dort der Götze des Aberglaubens, hier die drohende Zwingburg politischer Anfeindung und vor sich als einziger Rettungsweg, der durch das Meer des Talmuds zum Lande der Gottesfreiheit führte. Und siehe « da, Gott sandte einen Führer, vor dem die Talmudwogen sich zur Straße bahnten, und aus des Talmuds Mauern bekämpfte er den Glaubensfeind, der mit der Rüstung griechischer Schrifterklärung zum Kampfe zog. Er enthüllte die ״Septuaginta" und zeigte des Feindes Ohnmacht, er bahnte dann die Wege durch die ״Mischna" und führte seine Schüler sicher durch die Talmudstraße. Wohl ist Israel reich, m. Theuren, an großen Männern, wohl haben wir heute 'Männer, die groß sind im Talmud, Männer, die groß sind in klassischer Bildung; aber einen Mann, der beide Gebiete so meisterhaft beherrschte, einen Mann, der es verstand, das Große der Griechen und Römer anzuerkennen und das Judenthum desto Heller glänzen zu lassen, der zwei Geister einte zu einem Leuch- Ler vor Gottes Lade und Schüler schuf, die in seinem Geiste wirken, so hatten wir nur Einen, und dieser Eine lebt auf Erden nicht mehr. Viele Blüthen und Früchte sind am Baume des Talmudstüdiums uns gesprossen und gezeitigt, aber die Wurzeln und der Saft der in den Adern rinnt, den hat Frankel uns gezeigt und so ein neues inneres Geistesleben erschlossen und geschaffen. So war sein Lehren ein Ordnen, ein Reinigen des Lichtes, das innere Leuchtkraft hat. das beständig leuchten wird. Wieder kann die Nacht einbrechen in Israels Geschichtsleben, aber Frankels Licht wird auch die Nacht erhellen und neue Leuchtkraft geben. Mehr aber noch als seine Lehre, meine Theuren, war sein Leben, sein Leben als Rabbiner, als Lehrer, als Mensch. Räucherduft des Friedens brachte er mit