Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 11-12 (8.1875)
- Date
- 1875-08-01
- Page
- Seite 259 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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289 Duft des Friedens soll nie fehlen, sei es, daß des Abends Dunkel das Leben trübt, sei es, daß ein frischer Tag der Freude anbricht. Des Friedens Düfte sollen aufwärts steigen. Wie aber einmal im Jahre der Altar selbst entsühnt, so, m. V., so giebt es Zeiten, in denen Einer, Einer allein es ist, der den Duftaltar des Lehrfriedens allein wieder zu sühnen hat; Einer in einer großen Entwickelungszeit. Eine Lehre ohne Frieden wird zum Weltenbrande, ein Frieden ohne Lehre führt zur Erstarrung alles Geistes, aber Lehre und Frieden sind Anfang und Ende allen religiösen Wirkens, die Lehre die Wurzel, der Frieden die Schattenkrone. Und so wie diese beiden priesterlichen Aufgaben gekennzeichnet sind, so athmet auch derselbe Geist aus allen Priesterkleidern. Sein Denken trägt die Aufschrift: heilig dem Ewigen! — sein Herz schlägt für ganz Israel, dem er das rettende Recht zu künden hat, die Erleuchtung und Vervollkomnmung, und sein Gewand verkündet Allen seinen Gang, damit er wisse, daß Alle auf ihn sehen, Alle auf ihn hören, und er dadurch sich vor Todessünde hüte. Wissen soll der Hohepriester, daß er Vorbild sein soll, und daß er des Todes schuldig ist, wenn er dies vergißt. Lehren und mit dem vollen Bewußtsein der schweren Verantwortlichkeit, Gott dienen in dem Gedanken, daß man des Volkes Sünde trage, Frieden bringen für ganz Jsrael, Frieden, der ihn geistig erhellt und sittlich festigt, ein Herz für jeden Stamm, ein Geist, der nur für Gott erglüht, so ist des Hohenpriesters Wirken. III. Nun, tu. Verehrten, theure Brüder und Schwestern! Ein solcher Hohepriester, der nur einmal in einer langen Zeit erscheint, um ein Versöhnungswerk zu vollbringen, ist uns genommen worden, mitten in der Arbeit, Herz und Geist voll jugendlicher Frische und heiliger Entwürfe. Mein theurer, geliebter ׳Lehrer ist dahin, der große Meister ist geschieden, Israel hat eine Leuchte verloren. Sein Werk war Sinnen über Gotteslehre Tag und Nacht, das Volksöl läutern zu beständigem Lichte des Wissens, Licht mehren, Licht ordnen, Licht mit eigner Leuchtkraft schaffen, das war sein Werk. Aber Licht, das von der Lade zeugt, Licht, das im Tempel leuchtet, Licht, das nicht erlöschen wird. Als, m. Theuren, das deutsche Israel herauszuschreiten begann aus seiner Ghetti Mauern, da erhob sich ein Mann voll in- Niger Frömmigkeit und talmudischen Wissens, voll Liebe zur Thora und zu dem Gedanken des jüdischen Gesetzes, und trat in die geöffnete Israelitisches Predigt-Magazin. August 187s. 16 *