Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 11-12 (8.1875)
- Date
- 1875-08-01
- Page
- Seite 258 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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258 daß es von selbst zur Höhe seine Strahlenworte sendet. Das Licht der Lehre leuchtet dann erst wahrhaft, und dann erst hat der Lehr-Hohepriester seine Aufgabe erfüllt, wenn seine Worte in Gemeinden, in edlen Schülern und Jüngern selbstthätig weiter leuchten, wenn er des Volkes eigene Kraft, wie er ihr entsprossen, so auch sie selbst vermehrt, wenn er nicht Sklaven, sondern freie Geister bildet, nicht solche, deren Licht nichts, mehr von eigener Kraft bewahrt, sondern solche schafft, deren Licht aus des eigenen Innern Tiefe leuchtet. So ist des Hohenpriesters, des Lehrers, der Rabbiner Pflicht, des Volkes rein geprüftes Geistesöl zum Tempellicht zu schaffen, das von Gottes Lichtwort zeugt, nicht im Verborgenen, sondern vor Aller Augen, das frei zum Ewigen aufwärts steigt, auch wenn die Sonne des Tagesglückes nicht mehr leuchtet. Das Licht, das nicht wie Flammen lodert, das nicht zerstört, wenn es sich verbreitet, das milde, das mit Bescheidenheit die Augen erquickende sanfte Licht des stillen Tempelamtes, deffen Pflege früh und spät der Priester wartet, der über seine Lehre sinnt Tag und Nacht und sorgt, daß immer reine, klare Begriffe über Gotteswort und Gotteswelt der Lehre entstrahlen. II. Aber, m. V., das Erhellen der Lehre wäre allein unzureichend bei der Unvollkomnienheit der Menschennatur und ihrer Neigung, dem Drange des Augenblickes zu folgen. Schneller als die Lehre wirkt die Begierde und trennt die Menschen von ihrem Schöpfer und von einander. Die zweite Aufgabe des Hohenpriesters, m. A., war beim Anzünden des Lichtes und beim Reinigen der Lampe, früh am Morgen und spät in der Dämmerung das Räucherwerk vor Gott in Duft aufgehen zu lassen. Und dieser Räucherduft, er sollte Gottes Wohlgefallen erwecken, er sollte Versöhnung bringen für ganz Israel, Friede zwischen Gott und dem Volke, Friede zwischen den Brüdern selbst. Der Räucheraltar sollte vor dem Deckel der Lade stehen, der mit dem Cherubim zu goldener Einheit verbunden die Sühne für die Abirrung von dem Tafelwege gewähren sollte. Und einmal im Jahre sollte der Hohepriester den Altar selbst entsühnen. So, m. V., hat auch der Lehr-Hohepriester nicht nur des Lichtes der Lehre zu warten, sondern auch den Dust des versöhnenden Friedens aufsteigen zu lassen. Seine Lehre soll er- Hellen, seine Lehre soll auch verbinden, versöhnen, Frieden schaffen. Und unzertrennlich sollen diese beiden Aufgaben sein, sei es, daß er zu ordnen hat am Lichte, sei es, daß er daran zu reinigen. Der