Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 11-12 (8.1875)
- Date
- 1875-08-01
- Page
- Seite 257 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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257 meine lieben Brüder und Schwestern, mit mir fühlen zu lassen, um durch das Wort des Schmerzes Gott für das Glück zu danken, das er uns durch die Sendung dieses seines treuen Boten, dieses Lehrers in Israel, gewährt hat. Die Betrachtung der hohenpriesterlichen Aufgabe sei es, die unser zerrissenes Gemüth sammle und mit dem Tröste himmlischer Erkenntniß die Wunde lindere, aber auch ben Verlust ermessen und die uns zugefallene Aufgabe erkennen lehre. I. Schon unsere alten Erklärer haben die hohepriesterliche Aufgäbe des Lichtordnens symbolisch erklärt und sie als ein Vorbild des geistigen Wirkens der Lehrer in Israel aufgefaßt. Licht und Lehre sind ja den! Judenthum verbrüderte Begriffe, und Licht ordnen heißt: Lehre ordnen. Was will nun unser Lichtgesetz vom Hohe- Priester? Er soll Oel vom Volke sich geben lassen, d. h. seine Lehre soll in dem Volksbewußtsein wurzeln, aus ihm herauswachsen und Nahrung holen, nicht eine dem Menschengeiste fremde, dem Volksgesühle nicht verwandte, sondern des Volkes Geist soll seine Lehre widerstrahlen. Aber Oel vom Oliven bäum soll es sein, von dem Steine nicht, der gleichsam todtes Dasein hat, von der Pflanze, die aus ihrem Innern durch eigne Kraft sich Form und Frucht gestaltet, d. h. der Volksgeist soll es sein, der nicht die Steineshärte hat, die todte Schlaffheit, der Volksgeist soll es sein, der ewig frisch von Gottes Licht erwärmt und frisches Licht erquickt das unsterbliche Wachsthum in sich selbst trägt. Von diesem Quell des Oeles soll der Hohepriester die erste, die beste Gattung nehmen, geläutert und rein soll es sein. Das ist, meine Theuren, das Gottesgefühl, der religiöse Gedanke, der des Menschen Wesen und der Welten Ganzes und des Schöpfers Größe in ihrer Reinheit zeigt, aber der religiöse Gedanke, der ftei ist von der Hefe des Aberglaubens, von der Trübung der Unwissenheit, von der Verdunkelung des dreisten Wahnes, Und solches Geisteslicht soll der hohepriesterliche Lehrer außerhalb des Vorhanges anzünden, damit das Volk es sehe und erleuchtet werde vor der Lade, damit es nur ein Licht des Zeugnisses sei, ein Licht, das dieses Zeugniß bezeugt. Und wenn auch Abend wird im Erdenleben, aller Glanz des Erdendaseins schwindet, wenn Ruhm und Größen stürzen, wenn Israels zeitig Glück dahingeht, dann soll dies Licht nicht fehlen, dies Licht der Lehre, der reinen, der geprüften Lehre, und wen Gott zum Hohepriester ruft, der soll es ordnen. Aber wie soll er dieses Licht anzünden? So,