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Israelitisches Predigt-Magazin · 1875-08-01 · 11-12 (8.1875) · p. Seite 251

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
11-12 (8.1875)
Date
1875-08-01
Page
Seite 251 (sequence 11)
Language
German
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251 vor Kurzem erschienene erste Band seiner gediegenen Jeruschalmi- Ausgabe sind allesammt Leistungen von so weitragender Bedeutung, von so unverwitterbarem Werth, so bahnbrechend und doch so abschließend zugleich, pfadfindend und wegweisend zugleich für alle Zeiten, daß der Zahn der Zeit schon längst den seine Grabesstätte bezeichnenden Marmor benagt haben wird, wenn noch Frankels Name über viele, viele Jahrhunderte hinaus in den jüd. Geschichtsdenkmälern in unsterblicher Größe prangen wird, und obwohl בניו לא ידע ohne leibliche Nachkommenschaft, werden seine geistigen Kinder von der dankbaren Nachwelt von Geschlecht zu Geschlecht überliefert werden in liebevoller Hege, sein Andenken bewahrend treuer und dauernder, als es je des Künstlers Meißel und Pinsel hätte bewirken können. Und warum all das? Warum haben diese Werke einen so unvertilgbaren Werth? Ist es die bienenartige Emsigkeit, ist es der im An- und Ausbau der jüd. Wissenschaft Stein an Stein zusammentragende Sammelfleiß, ist es die Gesinnungstüchtigkeit, der heilige Ernst, das Wahrheitsstreben? Ja dieses Alles, nicht vereinzelt, sondern zusammengenommen drückt den Werken Frankels den Stempel von ״Urim und Tumim" auf. Das relig. Erkenntu i ß l i ch t im Bunde mit der anempfundenen G l a u b e n s w ä r m e sind die Urim, die alle Einzelheiten der Specialforschung zum abgerundeten Ganzen erschöpfende Vollendung und aufdringende UeberzeugungsWahrheit des Dargestellten find die Tumim in Frankels Forschung. Nicht vorgefaßte, vorweggenommene Resultate, deren Erweis erst hinterdrein nachhinkend erbracht wird, sondern die erst im Schmelztiegel siebenfach geläuterten Forschungsergebnisse sind bei ihm maßgebend. Sein Wahlspruch und Wahrspruch war: ״Nur die Resultate, die sich auf einer gewissenhaften, streng prüfenden Forschung aufbauen, erkennt das Judenthum als endgültig und normirend an, dem Judenthum ist der Unterschied zwischen Priester und Laren und nicht minder der Unterschied zwischen Rabbiner und Laien unbekannt; der der jüd. Wissenschaft mit Erfolg Obliegende ist Rabbiner, die Ergebnisse der Wissenschaft find maßgebend: Rabbinen können, und sei ihre Zahl noch so groß, weder binden noch lösen, ist nicht ihr Ausspruch durch die Wissenschaft motivirt; hat er nicht in ihr Ausgangs- und Endpunkt, so hat er sich von vornherein, als dem Geist des Judenthums fremd, gerichtet. . . . Das Judenthum kennt nicht Gedanken- und Gewissenszwang; das Judenthum hat nicht Weihe und bevorzugten Priesterstand: Das Wiffen gibt den Vorzug, das Wissen ertheilt die Weihe." Das war das leitende Prinzip, welches, einem rochen Faden Israelitisches Predigt-Magazin. August 1875. 16

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