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Israelitisches Predigt-Magazin · 1875-08-01 · 11-12 (8.1875) · p. Seite 248

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
11-12 (8.1875)
Date
1875-08-01
Page
Seite 248 (sequence 8)
Language
German
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248 satz: ״sprich zur Vernunft, sie ist meine Schwester," leider von der Mutter Religion nichts weiß und wissen will. Beide sind einseitige Vertreter des Judenthums und haben diesem, namentlich in der neuzeitlichen Geschichtsentwickelung, schwere Wunden beigebracht. Beide haben, weil von einer schiefen Beurtheilung ausgehend, das Judenthum nicht zur wahrheitsgetreuen Anschauung gebracht. Und wenn wir die Männer des glühenden Glaubens der Mittags-Glühsonne des Hochsommers vergleichen möchten, deren versengende Strahlen alle zarteren Keime und Herzensregungen verdorren machen, so möchten wir die stark- und freigeistigen Vertreter der Vernunstreligion der Wintersonne gleichstellen, die nur leuchtet, aber nicht erwärmt. Und warum dies? weil לבבתני באחת מעיניך das Judenthum mit einem Auge, dem Vernunstauge, ansehen, heißt es noch nicht beherzigen und zur Verehrung des Gemüthes machen, לכשתעשי בשתי עיניים erst die mit der Erkenntniß sich paarende religiöse That heißt uns das Judenthum verstehen und beherzigen. Dieses Verständniß und diese Beherzigung, diese religiöse Erkenntniß und Bethätigung, dieses Wissenslicht und diese Glaubensgluth haben ihre triumphvolle Einigung und Einheitlichkeit in Frankel gefeiert, hinsichtlich dessen wir in Verlegenheit find, ob wir der Höhe des Wissensmaßes oder der Tiefe des Gemüthes, ob wir der weitumfassenden mannigfachsten Gelehrsamkeit, oder der nur in weichen Accorden der Aeolsharfe sich kundgebenden Milde seines für Jedermann, zumal für seine Schüler, liebevollen Herzens die Palme der Anerkennung und Bewunderung reichen sollen. Jahrhunderte mußten seit Maimonides vergehen und werden vielleicht noch vergehen, ehe ein solcher Kopf — führwahr ein צנא דמלא בפרא einen Bücherschranken von Wissen darstellend! — mit einem solchen Herzen — נם את העולם נתן בלבו eine Welt religiöser, und für die Menschheitliebe erglühender Gefühle umfassend, in einem Menschen sich vereinigen konnte. Erst Angesichts unseres Secharja Halevi begegnet unser Auge und Herz wohlthuend einem Manne, der nicht bloß der Geburt nach ein Levi, sondern auch der religiösen Handlung nach ein solcher gewesen, allein der Wissensülle und Erkenntnißgröße nach, gleich Jisachar, ein Mann gewesen, der die Zeit verstand und dem mächtig rauschenden Flügelschlag der modernen Wissenschaft stets sein Ohr leihend, auch wußte, was Israel in der Jetztzeit noch thut. וללוי אמר תומיך ואורץ־י לאיש חבידיך' erst von diesem Levi müssen wir sagen, deine im Glauben zum Ausdruck gelangte War heit, sich paarend mit dem Licht reichsten Wissens: bildete

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