Mannheim
Compact Memory

Israelitisches Predigt-Magazin · 1875-08-01 · 11-12 (8.1875) · p. Seite 246

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
11-12 (8.1875)
Date
1875-08-01
Page
Seite 246 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/9616701-9619452-9619730--0285-9619736
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

24« zunächst für uns selbst Deinen Segen herab. Stelle, großer Friedensstifter, ״der Du Frieden schaffst in den Höhen", auch in meinem Innern den Frieden her; besänftige meines schmerzdurchwühlten Gemüthes hochaufgeregte Wogen — wenn auch nur so weit, daß ich die erforderliche Klarheit des Ausdrucks gewinnen könne! I. An dem Sarge des in Babylonien geborenen, in Palästina erzogenen, berühmten Talmudlehrers, R. Seira, stimmte einst ein Leichenredner die Klage an: ארץ שנער הרה וילדה ארץ צבי נדלה שעשועים אוי נא לה אמרה רקת כי אבדה כלי חמדתה ״Das Land Schmear gebar ihn, das Land der Herrlichkeit zog den Liebling groß, wehe mir, spricht Reketh (der Uferort, Tiberias), verloren ging ihr Kleinod." (Megila 6 a). Ebenso trauert ein dreistimmiger Länderchor um den Dahingeschiedenen, den nur. heute beweinen. Ein Sohn Oesterreichs, in Prag geboren, ander Universität Pest's erzogen, wo er, der zweite Jude, zum Doctor promovirt wurde, in dem herrlichen Culturland Germaniens (besonders in Sachsen) seine Blüthe entfaltend, klagt besonders Breslau, Reketh, der Uferort, nicht blos der Ort am Ufer der Oder, sondern am Ufer des Talmudmeeres, die Stätte, allda der Verewigte eine Rabbinerbildungsschule ins Leben rief, weh', ich ging verlustig meines herrlichsten Kleinods!" Hiermit hätten wir zugleich die Ummarkung des äußeren Lebenslaufes des Verewigten gezeichnet. Wir brauchen hierbei nicht länger zu verweilen, denn die Bedeutung eines jüd. Gelehrten, zumal eines Frankel, liegt nicht in dem äußeren Verlauf seines Lebens, dessen ohnehin nicht bewegte Strömung, dem Siloa gleicht ההלכים לאם ״der sanft und ruhig seine Wellen dahinwälzt" (Jes. 8, 6). — Die Bedeutung eines Frankel liegt in der geistigen Wellenbewegung, die ihre immer größeren und größeren, bis zuletzt das ganze Judenthum umfassenden Kreise zog. In dieser kreisförmigen Wellendewegung flössen zwei Strömungen geistiger Richtung zusammen, die sich sonst meiden und nur in seltenen Fällen sich begegnen. Es sind das Gegensätze, deren Vereinigung von den edelsten Geistern des Judenthums angestrebt, nur selten erreicht wurden, so nur beispielsweise von Saadjas Gaon, Maimonides im Mittelalter; von Mendelssohn in der neueren Zeit; im eminentesten Wortverstand aber in der neuesten Zeit von Secharja Frankel. Diese Gegensätze sind Wissen und Glauben, Denken und Fühlen, Theorie und Praxis.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.