Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 9-10 (6.1875) Juni-Juli
- Date
- 1875-06-01
- Page
- Seite 222 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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222 andere Gefühle in uns erweckt, als jenes erste, das wir soeben vernonrmen, das von einem ganz andern Geiste eingegeben zu sein scheint, als von dem des Rechts. ״Wenn der Ewige, Dein Gott, Dir Ruhe schafft von allen Deinen Feinden rings herum in dem Lande, das der Ewige, Dein Gott, Dir als Besitz gibt, es einzunehmen, sollst Du auslöschen das Gedüchtniß Amaleks unter dem Himmel. Vergiß es nicht." Sellten diese Worte der heil. Schrift etwa den Sinn haben: Wenn Du Ruhe gefunden in Deinem Lande, wenn Du zu ungestörtem Genüsse der Freiheit und des Rechts gelangt bist, dann rüste Dich zum Rachekampfe und übe blutiges Vergeltungsrecht an einem Volke, das einst mit zweifelhaftem Glücke gegen Dich gefochten. Wenn dies die richtige Deutung jener Worte sein sollte, dann wäre den Tadlern und Verächtern der göttlichen Lehre eine willkommene Veranlassung geboten zu den Schwächen und Gebrechen, welche sie in derselben entdeckt haben wollen, neue hinzufiigen zu können, dann würden sich auch uns Fragen und Widersprüche aufdrängen, welche auszugleichen und zu beschwichtige!: vergebliche Mühe wäre. Die Thorah, die uns den: Fei!:de gegenüber Großn:uth zu übe!: verpflichtet u!:d sich!:icht mit den: bloßen Aussöhnen und Verzeihen begnügt, sonder!: u!:s gar zu Liebesdiensten gege!: de!:selben auffordert, — sie sollte ihre Bekenner gegen ein ganzes Volk zu ewigem Haffe aufstacheln wollen? Die Thora, welche de!: bedeutsamen Satz ausgesprochen: ״Väter dürfen nicht getüdtet werde!: um der Kinder willen, m:d Ki!:der dürfen!:icht getödtet werden um der Väter willen; Jeder sterbe für feine Schuld" — (Deuter. 24, IG), — ein Satz, über dessen Mißachtung und schnöde Verletzung seitens der Völker gerade Israel an: bitterste!: und sch!!:erzlichsten zu leiden hatte, diese!: Satz sollte nun die Thora selber aufheben wollen, inden: sie, was der Amalek der Wüste verschuldet, desse!: spätesten Enkel!: hein:zuzahlen, de!: Kanrpf vo!: Geschlecht zu Geschlecht fortzusetzen befiehlt bis zur völligen Vernichtung seines Stammes? Wohl hat Ainalek Schweres verbrochen gegen Israel; in einem Augenblick, wo dieses sich kau!!: der eher!:en Macht menschlicher Tyrannei e!:t!vu!:den, nicht u!n sich da!:!: dem Vollgenusse der gewonnenen Freiheit hinzugeben, sondern um es mit den furchtbaren Mächten, welche den Wüstenwanderer umdrohen, aufzunehmen, in einem solchen Augenblick der Er!nattn!:g und Erschlaffung hat Amalek sich auf das unvorbereitete Volk geworfen. Aber habe!: nicht auch andere Völker sich gegen Israel verschworen zu u!:versöhnlichem Hasse, zu schonungsloser Verfolgung, zu ewiger Knechtung? Hat nicht Edon: n:it gezücktem Schwerte den Durchzug durch sein Land