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Israelitisches Predigt-Magazin · 1875-06-01 · 9-10 (6.1875) Juni-Juli · p. Seite 221

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
9-10 (6.1875) Juni-Juli
Date
1875-06-01
Page
Seite 221 (sequence 21)
Language
German
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V. Predigt am Sabvath Sachar. (פ׳ תצוה) Von Robbiner Dr. M. Salzberger in Also-Kubin. Es ist ein schönes, beherzigenswerthes Wort, es ist ein erhabenes, weises Gebot, welches der heute verlesene Wochenabschnitt an den Hohepriester in Israel richtet. ״Aharon trage das Recht der Kinder Israel auf seinem Herzen vor dem Ewigen beständig." ׳ משפט das ist der kurze, knappe Ausdruck für einen Gedankenkreis von tiefgehender, weltumspannender Bedeutung. Recht, das ist das große, erlösende Wort, welches die Menschheit aus ihrem rohen Urzustande befreite und den Boden zu einer geregelten, höheren Ent- Wickelung schuf. ״Recht", so heißt der Zauberstab, der die wilden ' Fluthen der Geschichte in ihre Ufer bannt und eindämmt, daß sie nicht verheerend und zerstörend sich dahinwälzen über friedliches Menschenwerk, welches die fleißige Hand mühsam aufgerichtet. Recht, .so nennt sich der große Werkmeister, der von Uranbeginn der Zeiten aus rohen, formlosen Massen Reiche aufgebaut, Staaten gegründet, in welchen Gesetz und Ordnung den Kitt bilden, der ihr künstliches Gefüge festigt und zusammenhält. Recht mußte daher vor Allem die Grundlage des Reiches bilden, dem an seiner Wiege verheißen ward, daß es Zeiten und Geschlechter überdauern werde. Darum sollte auf der Brust desjenigen, der dieses Reiches höchste und heiligste Interessen zu hüten und zu vertreten hatte, auf der Brust des isr. Hohepriesters ״das Schild des Rechts" in goldener Pracht leuchten, darum sollten auf diesem Bruftschilde in sinnvoller Weise in goldgefaßten Edelsteinen, die Namen der zwölf Stämme Israels eingegraben sein, damit Jeder daran gemahnt und erinnert werde, daß Recht und Gerechtigkeit erfüllen und durchdringen müssen ganz Israel, den Hohen wie den Niedern, den Reichen wie den Armen in der Gemeinde Gottes. Aber noch ein Gebot ruft uns der heutige Sabbath ins Gedächtniß, ein Gebot, das uns ganz ftemdartig anmuthet, das ganz

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