Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 9-10 (6.1875) Juni-Juli
- Date
- 1875-06-01
- Page
- Seite 211 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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211 des jüdischer! Stammes eben dieser kurzsichtigen Brille und siehe da! sie entdeckten an dem jüdischen Stamm viele Flecken und Schäden, aus denen sie das allnrälige Hinwelken des Stammes beweisen mochten — und doch waren es ja nur die Schattenflecken ihrer eigenen Brillen, die Schattenflecken und Schäden des beschränkten Vorurtheils und der Engherzigkeit. Wir aber, Israeliten, wollen stets gleich Mose in ״klarer Anschauung" erkennen: Daß Gott der Herr uns aus allem Ungemach errettet hat und uns fortan immer erretten wird! Amen. III. Eine Betrachtung jtmt Abschnitt Jethro. Von vr. I. Walterstein, Rabbiner in Danzig. Das Wort der Schrift, so sagen unsere Weisen, gleichet einer Säule: Wie der schlanke Schaft von einem Fußpunkte sich erhebt, der ihn! als Grundlage dient, und zierlich sich abschließt in der Krone, die gen Oben ragt, also muß, wer das Nerständniß des heiligen Wortes gewinnen will, auf dasjenige achten, was ihm vorangeht, wie aus das schauen, was ihm nachfolgt. So wollen auch wir es halten. Der letzthin verlesene Wochenabschnitt schloß mit der Erzählung voll Amalek; wie dies Volk gekommen und Israel angefallen ohne Scheu, ohne Grund, ohne Gottesfurcht —, der heute verlesene beginnt mit dem Berichte über Jethro, den Schwäher Mo: se's, der zu Israel gekomnlen, um Gott zu huldigen und dem Volke Gottes freudige Anerkennung zu zollen. Andächtige Zuhörer! Da habt Ihr zunächst die Art, wie die Menschen zur Wahrheit, zu einer neu auftretenden, aufstrebenden, großartigen Erscheinung sich stellen. Hier tritt Amalek auf mit giftigem* Grimme, mit blindem Haß, ohne Grund verfolgend — aber dort fehlt's nicht an Anerkennung und Beifall. Und da hätten wir denn gleich eine herrliche, erhebende Lehre! Denn sieh, nlein Bruder, meine Schwester, wenn du auch durch irgend Eins dich vor den Andern hervorthust, ja auch wenn du still und harmlos ziehst deinen graden Lebensweg, — mag Haß, mag Verfolgung und Scheelsucht dich umlagern, Verkleinerungssucht an dir mäkeln und tadeln, — laß dich's nicht verdrießen, — denn auch der Beifall wird dir und die Anerkennung. Und wie dem Einen Jethro die Schrift ein unvergängliches Denkmal in ihrer dank- Israelitisches Predigt-Magazin. Juni, Juli 1875. 13 *