Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 7-8 (4.1875)
- Date
- 1875-04-01
- Page
- Seite 199 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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199 Gesetzesoffenbarung, und angemessen dieser Stunde der Todtenseier. Wir folgen dem Ausspruche des Psalmisten: אחת דבר אלקים ׳ שתים ״ זו שמעתיEines hat Gott gesprochen, ein Doppeltes habe ich daraus entnommen!" (Ps. 62,12.) Das E ine, das Gott gesprochen, es ist das Sinai-Gesetz, das Doppelte, das wir daraus entnehmen, es ist: Sittlichkeit und Unsterblichkeit, sie sind .תאומי בביר ״Zwillinge einer Mutter" — der Religion! Diesen Zusammenhang laßt uns Nachweisen und zu unserem Heil und Trost festhalten und bewahren unser ganzes Leben! Amen. I. Man hört in unserer, so gern aufgeklärt sich nennenden Zeit, gar Manchen reden: Wenn ich ein sittlicher nwralischer Mensch bin, wenn ich thue, was ich soll, wozu soll mir da noch Religion? Die will ja im besten Falle auch nichts mehr von mir, als mich zum moralischen Menschen machen; bin ich das ohne sie, so kann ich ihrer füglich entbehren. Fragt man einen Solchen nun aber weiter: Aber w i e willst Du denn wissen, w,'a s sittlich ist? wer solsis Dir denn sagen, was recht oder unrecht, gut oder böse sei, was Du thun oder unterlassen sollst? Nun so ist auch gleich ein Wort als Antwort gefunden: Wer anders, als mein Gewissen! Das sagt mir schon zur rechtet! Zeit, was ich soll oder nicht soll, ob ich recht oder unrecht handle, wenn ich aus seine Stimme höre, so wandte ich den Pfad der Moral, — und mehr will ich nicht!" L. Freunde u. Freundinnen! Wenn wir uns bei bcu heiligsten Angelegenheiten unseres Lebens doch nicht einer Selbsttäuschung hingeben wollten! wenn wir tmr nicht vermeinten, die in unserem Jnneretl auftauchenden Fragen und Zweifel mit einigen auf der Oberfläche der Zeitströmung schwimmenden Redensarten und Schlag- Wörtern befriedigend lösen zu können! Du sagst, Du hörtest auf die Stimme des Gewissens, und bedürftest sonach der Lehren der Religion nicht — aber ist denn der Urtheilsspruch des Gewissens wirklich zuverlässig? Läßt dieses sich nicht gar oft von den wechselnden Strömungen der Zeitanschauungen und Volkssitten bestimmen? Ist seine Stimme immer klar und bestimmt? Ist sie nicht schon oft mißverstanden, ja durch die Macht der Gewohnheit nicht gar schon zum Schweigen gebracht worden? Wo war denn das Gewissen der Menschen in jenen altclafsischen Zeiten, da ein Gesetzgeber nicht das Stehlen, sondern nur das Ertapptmerden als Unrecht hinstellte? Wo war die Stimme des Gewissens, als es zum Gesetz erhoben wurde, schwächliche Kinder auszusetzen? Wo