Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 7-8 (4.1875)
- Date
- 1875-04-01
- Page
- Seite 195 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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103 lüfte, Begierden, und dies sind Acte des Gemüthes, des Willens. Die Religion tritt hier zum Herzen, gebietet den Gefühlen Halt und zieht einen Bannkreis um die Wünsche. Nehmen wir nun das erste und letzte Wort zusammen, so finden wir in ihnen eine Aehnlichkeit. Beide haben es mit dem Innern Menschen zu thun, mit dem Einzelnen, ohne daß ein anderer Mensch zu ihm in Beziehung tritt. Das erste Wort ist des Geistes, das letzte des Gemüthes Bild, der Zehn Worte Anfang die Gotteserkenntniß im Geiste, der Worte Schluß die Menschenliebe im Herzen und zwischen beiden der ganze Inhalt des Lebens. Ein reiner Geist und ein gutes Herz, sind das aber nicht die Pole der höchsten Menschenentwickelung? ',״ וידעת את דdu sollst erkennen den Ewigen״ und ואהבת לרעך ״ כמוךdu sollst lieben deinen Nächsten wie dich selbst", sind tms nicht die Angelpunkte des jüdischen Religionsgesetzes? Wahrlich, m. A., wer die Geschichte Israels kennt und in ihr Gottes Walten gefunden, wer in dem Leben des Einzelmenschen die höchste Vergeltung erkannt, wer die täglichen Naturwunder belauscht und in ihnen erhabene Weisheit schaut, wer der Menschen Gebilde durchmustert und in ihnen das Gottesgesetz nicht übersieht, wer in der Thora forscht und die Worte der Weisen prüft, der hat ein Thor zur Vollkommenheit sich geöffnet. Und wessen Herz eine Liebesstätte ist, wessen Blut froh wallt, wenn es auch im Andern fröhlich rauscht, wessen Auge sonnig strahlt, wenn aus des Nächsten Antlitz ein Frühling lächelt, wer mit Andern zittern und weinen kann, wen auch der Ferner: Nothschrei rührt, und wen: die Jahre nicht das Herz verschlossen, der kann ein Segen werden, der wird es sein. II. M. A. Laßt uns nun die erste Tafel allein betrachten. Das erste Wort dieser Tafel, das אנכי haben wir schon genannt, das letzte der 5 Worte, es lautet ״ ככד את אביך וכיEhre deinen Vater und deine Mutter." Zwischen beiden Worten, m. A., ist ein innerer Zusammenhang. Auf der Ehrfurcht gegen Eltern beruht die Gotteserkenntniß, und wer den Schöpfer ,verloren hat, sinkt tiefer bis zur — Elternschändung. Wer ist denn für das Kind die erste Macht und wer die erste Liebe? Sind es die Eltern nicht? Es lernt ein höheres Weser: in dem Vater, ein barmherziges in der Mutter kennen, es achtet ihre Wünsche und erkennt sie als Schöpfer seines Glückes; es spricht mit Ehrfurcht von den Eltern und wagt nicht ihren Namen zu entehren, es weiß, daß es nur einen Vater, eine Mutter hat, daß sie allein es sind, denen es sein Wohl ver-