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Israelitisches Predigt-Magazin · 1875-04-01 · 7-8 (4.1875) · p. Seite 173

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
7-8 (4.1875)
Date
1875-04-01
Page
Seite 173 (sequence 17)
Language
German
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nicht zugewandt hätten. Das sollte in unseren Reihen verhütet werden; mir sind berufen, das heilige Oel, das *שמן זית זן der erhabensten Erkenntniß rein und lauter und frei von jeder trüben Beimischung zu erhalten; wir sind der Ansicht — die bis heute noch keine Erfahrung umgestoßen — es sei besser für die Wahrheit, wenn ein kleiner Kreis sie unentstellt und ungetrübt besitzt und behütet, als wenn der Kreis sich vergrößert, sie selder aber, die Golteutstammte, darüber sich verkleinert, zusammenschrumpt und ihr ursprüngliches Gepräge — den Stempel, den sie aus Gottes Hand einpsangen — sich verwischt und verblaßt. Und ift's blos die eine Gefahr, die erfahrungsgemäß dem Bekehrungseifer der propagandistischen Tendenz sich zugesellt? Hat der Satz ועצם לא תשברו בו nicht noch eine andere traurige und schaurige Bedeulung? Wieviel Herzen sind gebrochen worden, wieviel Qualen und Foltern über redliche und wackere Menschen verhängt, wieviel Grauses begangen, wovor der Genius der Menschheit sein Haupt verhüllt, lediglich in dem frommen Wahn, es sei gleichgültig, was der Mensch auf Erden leide, wenn man nur das eine Ziel erreicht — wenn nur der Zugang zum Himmel den Verstockten und Verhärteten verschlossen werde —. Es sind die düstersten Blätter der Weltgeschichte, die von dem religiösen Fanatisnius 'Kunde geben. Und nun steht uns Rede, die ihr in diesem herrlichsten Vorzug eineu Mangel des Judenthums erblicket und sagt, was ist von einer Religion zn halten, die ihren Bekennern solch' fronime Raserei, solch' heilig Wüthen unmöglich macht, welche die Abgründe grell beleuchtet, die unerbittlich dem sich aufthun, der es sich beikommen läßt, feiner Religion Anhänger zu werben und zu erwerben? Anhänger zu werben, das Wort führt uns weiter, auf eine dritte Gefahr, vor der ebenfalls die heilige Thora uns warnt. Soll nicht der Werth, der innere, gediegene, allein entscheiden bei der Annahme einer Wahrheit? Hat es einen Werth, wenn nicht diese innere Wahrheit den und jenen bestimmt und spornt, sich zu einem anderen Glauben zu bekennen, sondern nur der Preis, der da winkt und lockt, der Preis, der auf diese Annahme gesetzt ist? was öffnet der verächtlichsten Heuchelei mehr Thür und Thor, als die systematische Betreibung der Proselytenmacherei? Können mir die Herzen prüfen und die Nieren? Die innersten Gesinnungen erforschen, erkunden, ob wirklich Ueberzeugung eine tiefe, selbsterrungene, mühsam und allmählig gewonnene Erkenntniß von dem höheren Werthe, der beseligenderen Kraft der Wahrheit einen Proselyten uns zuführen, oder ob nicht rein äußerliche, wenig achtbare Beweggründe? ״Der

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