Mannheim
Compact Memory

Israelitisches Predigt-Magazin · 1875-04-01 · 7-8 (4.1875) · p. Seite 172

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
7-8 (4.1875)
Date
1875-04-01
Page
Seite 172 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9616701-9619452-9619636--0201-9619652
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

172 Anschauung zurückweisen? Ist die Geburt Zufall? Daß meine Wiege hier und deine dort gestanden, daß du von diesen und ich von jenen Eltern stamme, ist das Zufall? oder nicht eine Gottesfügung nicht von ihm, dem Unsichtbaren, Allwaltenden, bestimmt? Und wenn von ihm bestimmt, dann sollte, was nur eine Folge ist meiner Abstammung, daß ich hineingeboren in die Reiben einer bestimmten Religion, das sollte mir die ewige Seligkeit rauben und verwirken können? Weil ich treu mich bekenne zu dem, was meineu Vater und meine Mutter beseligt, darum sollte der Himmel mir verloren gehen, gleichviel, wie ich gelebt, gehandelt, gewirkt, nur weil ich dies und jenes nicht geglaubt? Könnt i h r das h ö ch st e Wese n euch so grausam denken, wir können's euch nicht wehren, wir aber haben von dem Vater über den Sternen eine andere Meinung; בבית אהד יאכל uns ist er der Vater aller und zu seinem Hause, zur Himmelsheimath, führt jeder Wandel in Tugend und Treue, in Geradheit und Liebe, in Sittenreinheit und Seelenadel. II. Und wie die Wurzel, so die Frucht. Welche Folgen und Früchte hat denn unausweichlich dies Bestreben getragen, dem eigeneu Glauben Anhänger zu gewinnen ringsumher? Man kann sie nicht scharfer kennzeichnen, als die h. Schrift es thut, für jeden, der den Sinn der alten Bräuche zu ergründen versteht לא תוציא ״ מן הבית מן הבשר חוצה ועצם לא תשברו בוVon dem Flestche des Opferlammes bringt nichts nach außen, damit 0011 dem Knochengerüste nichts zerbrochen wird " Läßt sich der Latz verkennen? Sagt er nicht deutlich, warum wir darauf verzichlen sollen, nach außen zu wirken, auf ״rne Vermehrung der Zahl der Gläubigen hinzuarbeiten? Unterlasset das, ruft uns die Lehre zu, sonst geht nothwendig manches von dem עצם, von dem Wesentlichen innerer Wahrheit, von d e m verloren, was, wie der K n o ch e n b a u den Körper, euren Glauben trügt und stützt. Was lehrt die Geschichte der Religion? Man kann und darf es heute ausfprechen, ohne mißverstanden zu werden: die Qualitat der Religion mußte es büßen, wo man nur auf die Qu-antität, auf die Größe der Zahl der Bekenner fein Absehen richtet. Woran lag es, daß die reine Gotteslehre, wie die Mutterreligion sie besitzt, von der Tochterreligion nicht in ihrer Reinheit belassen wurde. Darauf gibt die Wissenschaft die heute von allen Unbefangenen zugestandene Antwort, weil sie Concessionen machen mußte an die, welche der reinen, der ganze n Wahrheit sich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.