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Israelitisches Predigt-Magazin · 1875-04-01 · 7-8 (4.1875) · p. Seite 171

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
7-8 (4.1875)
Date
1875-04-01
Page
Seite 171 (sequence 15)
Language
German
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171 zu ihr bekennt, könne, hat er ausgerungen den schweren Lebenskampf, beim Vater droben Ruhe und seligen Frieden finden. Alle anderen, die eurer Religion, gleichviel ob mit oder ohne ihre eigene Schuld, nicht angehören, seien von den Himmelswonnen und Gnaden dann ausgeschlossen. Das ist die Wurzel aller Bekehrungsversuche, alles Strebens, die Seelen zu beglücken, um jeden Preis ihnen das zu sichern, wovor das kurze flüchtige Erdenglück in nichts verschwindet, das Herrlichste, das ewige Heil, die Seligkeit im Jenseits. Kann denn der, der wirklich davon durchdrungen, daß nur sein Glaube selig macht, es unterlassen, unablässig den anderen zu diesem Heile zu verhelfen? Was ist denn das Erdenleben? Ein kurzer Traum, und ist er ausgeträumt, dann beginnt das wahre Leben; wie und worin es besteht, wir ahnen's nur, wir wisseu's nicht, aber eins ist allen Gläubigen aller Bekenntnisse gemeinsam: der Glaube, daß wir fortleben, daß wir nicht vernichtet im Staube modern, daß, was uns über alle Geschöpfe erhebt, nicht der Vergänglichkeit zum Raube werden kann; wenn ich nun daran festhalte, daß das Leben der seligen Geister nur denen sich eröffnet, die meinen Glauben bekennen, bin ich daun nicht ein selbstsüchtiger, hartherziger Mensch, wenn ich nicht alles daransetze, aus Nächstenliebe daransetze, um meinem andersgläubigeil Bruder diese gnadenreiche Aufnahme in der Ewigkeit zu erwirken? Darum seildet ihr Boten aus, darum unterhaltet ihr eine Propaganda, und darum ist bei uns von alledem nichts zu finden, denn wir sind in diesem Cardinalpunkte von unserer Religion eines Anderen, eines Besseren belehrt. Uns kündet das Judenthum, llicht eure Religion allein, jede andere kann so gut wie die eure ihre Bekenner selig machen, ״die Frommen aller Völker haben Theil an bem Leben, in das wir eingehen nach dem Tode." Diese erhabene Anschauung zieht sich durch unsere gesammle heilige Schrift. Begreift ihr nun, warum bei aller erobernder Tendenz das Judenthuin nichts Propagaildistisches an sich hat: Weil der,Hauptsporn, die wesentlichste und mächtigste Anregung zur Proselytenmacherei, die Annahme des A l l e i n seligmachenkönnens, uns - fehlt. Und diese Anschauung, daß jedem, der eine seinem Gewissen, seiner Vernunft, diesen beiden ewig in jedem Menschen sich erneuernden Gottes-Offenbarungen, gefolgt, daß jedem, der als Mensch nur sich hier auf Erden zu bewähren trachtete, gleichviel, welchem Glauben er durch seine Abkunft angehört, im Vaterhause droben sein Platz bereitet ist, könnt ihr, wenn ihr denkend an die Sache herangeht — und die Religion will ja nicht blind hingenommen, sondern vom Verstände hell erkannt und anerkannt sein — könnt ihr diese

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