Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 7-8 (4.1875)
- Date
- 1875-04-01
- Page
- Seite 161 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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161 eintrat, rate Vater und Mutter und Kinder sich froh um den gastlichen Tisch samntelten, um das alte Wunder, das der Herr gethan, von Neuem zu erwägen: sagt, meine Lieben, wie wird Euch dann? Was habt Ihr dafür als Ersatz, was bereitet Ihr Aehnliches Euren Kindern? Welches so feste Band als das des gemeinsamen Glaubens schlinget sich um Eure und ihre Herzen? Welche so reine und echte Freude erhebet ihre Gemüther, wie jene, deren Mittelpunkt Gott war? Unb so gönnet mir demt Euer Ohr, wenn ich zu Euch, meine Freunde, zu reden versuche vott dem heutigen Tage und seiner Bedeutung, schlicht, einfach, ohne Anspruch aus neue oder tiefsinnige Aufschlüsse; wenn ich nur beit rechten Punkt treffe und das rechte Wort finde, und sich Euer Herz wieder öffnet dem, wofür es verschlossen war. Dazu gebe Gott seinen Segen! Amen. Für diese unsere Betrachtung lege ich die Worte aus dem Buche Schemoth Cap. 6, V. 7 zu'Grunde. Sie lauten also: ולקחתי אתכם לי לעם והייתי לכם לאלהים וידעתם כי אני ה' אלהיכם ״ המוציא אתכם מתחת סבלות מצריםUnd ich werde Euch annehmen mir zum Volke und werde Euer Gott sein, und Ihr sollet erkennen, daß ich, der Ewige, Euer Gott, es bin, der Euch wegführet, hervor unter den Lastarbeiten Mizrajims"; und unsere weitere Ent- Wickelung soll rechtfertigen, was ich im Eingänge ausgesprochen, daß die Begebenheit des Auszuges aus Mizrajim einzig sei in ihrem Auftreten, einzig in ihrer Bedeutung, einzig in ihren Folgen und Wirkungen. I. Nicht die Fülle von Wundern und außerordentlichen Nebenuntständen, in deren Gefolge eine Begebenheit auftritt, bestimmen ihre Bedeutung und ihren Umfang. Das einzeln Geschehene läßt uns gleichgiltig, wenn es nicht Anfang und Ausgangspunkt für neue Entwickelungen wird, die ohne jenes unmöglich gewesen wären. Selbst die außerordentlichsten Erscheinungen, wenn sie ohne weitere nachhaltige Folgen vorübergegangen, fesseln vielleicht für einen Augenblick unsere Aufmerksamkeit, lassen sie aber nur zu bald wieder frei, um bet Gediegenerem und Wichtigerem zu verweilen. Das kindliche unentwickelte Gentüth mißt und urtheilt nach solchem äußeren Anschein, der vorgeschrittene, gereifte Menschengeist fordert Gedanken, Thaten, in denen er seine höchsten und eigensten Bedürfnisse und Zwecke gefördert und ausgesprochen findet. Denn, meine Freunde, so wenig ein Vernünftiger Denjenigen einen Gro-