Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 6 (3.1975)
- Date
- 1975-03-01
- Page
- Seite 156 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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156 muß Euch darum fremd sein und gleichgültig das Land, das Euch Aufenthalt und Schutz gewähret. O, m. Fr., wie Vieles haben wir um dieses einen Vorwurfs willen erdulden, wie lange um seinetwillen eine demüthigende Ausnahmestellung ertragen müssen i Wenn nun aber auch, m. Fr., die Sonne der wahren Erkenntniß die dichten Nebel und Schatten der Unwahrheit und des Vorurtheils immer mehr durchdringt, unabweisbar nothwendig erscheint es uns dennoch, die falschen Anschauungen zu berichtigen, den Jrrthum nachzuweisen und darzulhun, daß die Liebe zum einstigen Stammlande die Liebe und Treue gegen uufer gegenwärtiges Vaterland nie zu gefährden und zu beeinträchtigen vermag. Und, m. Fr., könnte man denit auch aus jener Liebe zu Pa׳ lästina's heiligem Boden uns einen Vorwurf machen? Wäre es möglich, daß Israel jemals die Liebe zu seinem einstigen Stammlande aus seinem Herzen löschen könnte? Ja, spricht es nicht der Psalmendichter nut tief ergreifenden Worten aus, daß Israel niemals das Gedächlniß an feinen angestammten Boden aus feinem Innersten tilgen dürfe: ״ •אם אשכחןד ירושלים תשכח ימיניWenn ich Dein je vergessen könnte, o Jerusalem, so mögest Du meiner Rechten vergessen!" Ist doch Palästina das Land, in dem unsere heiligsten, unsere stolzesten Erinnerungen wurzeln. Hier haben wir uns fünfzehn hundert Jahre einer staatlichen Selbstständigkeit erfreuen dürfen; hier haben unsere Könige und Fürsten oft mit starker Hand den Herrscherstab geführt; hier haben unsere Feldherren die rühmreichsten Schlachten geschlagen. Wie ist uns doch Palästina's Boden geweihet durch alle jene frommen Männer, die auf ihm gewandelt, gelehrt und Worte der Weisheit und Frömmigkeit uns verkündet haben. In seinem Boden schlummern alle jene großen Männer, die wir mit Stolz unsere Väter, unsere Lehrer, unsere Führer neunen. Wahrlich, nur der stumpfe, rohe Sinn kann mit Gleichgül- Ugkeit auf Palästina schauen; der Denkende und Fühlende aber wird mit heiliger Liebe es umfassen und mit kindlicher Ehrfurcht auf es blicken. Darum ist denn auch unser Auge nach dem heililigen Stantmlaude gerichtet, wenn wir zum Gotte Israels beten und nach Jerusalem sind unsere Gotteshäuser gekehret, als dem geweihten Mittelpunkte, der Israels zerstreute Glieder geistig zusammenhält und in dem alle Söhne und Töchter unseres Volkes trotz ihrer räumlichen Zerstreutheit sich als ein utlzerstörbares Ganzes wissen, fühlen und empfinden.