Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 6 (3.1975)
- Date
- 1975-03-01
- Page
- Seite 148 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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148 Gelöbniß zahlen — Freude am Leben, und ihr Ausdruck, Gott geweihet, das sei des Lebens Inhalt. Daher, meine Andächtigen, wollen wir erwägen heute, an dem Tage, der durch Gesang und Huldigung zu einem Freudenseste uns geweihet ist, die Fragen: Wie soll der Israelit der Freude Ausdruck leihen und zugleich, wann darf, wann soll er sich dem Frohsinn überlasten. Unsere Festesbetrachtung wollen wir anknüpfen an des Propheten Wort: (Jes. 30, 29) השיר יהיה לכם כליל התקדש חג. ושמחת לבב כהולך בחליל ״ לבוא בהר ה' אל צור ישראלDas Lied soll euch sein, wie die ,Nacht der Festesfeier, und Freude des Herzens, wie da man daherzieht mit der Flöte, um nach dem Berge des Ewigen zu wallen, zu dem Horte Israels!" — Amen. I. ״Es sei das Lied euch, wie die Nacht, da das Fest geweihet wird!" I. A. V.! כל מה שאמר דוד בספרד כנגדו וכגגד ביל ״ ישראל וכנגד כל העתים אמרוAll das, was der Psalmendichter hat gesungen, spiegelt sein und Israels Empfinden wieder, bleibt aber unverändert maßgebend für alle Zeilen." Wir haben heut verlesen Israels Dankgesang am Meere, David's Loblied, ״da ihn der Herr errettet aus der Hand Sauls und aller seiner Feinde." Wie diese beiden, so gehöret auch unser Texteswort einer Zeit an, da das Eingreifen der Gottheit in die Geschicke sich Allen deutlich offenbarte, da des Sanheribs Kriegerschaaren getroffen von dem Pfeil des Ewigen in stolzer Siegeszuversicht des Abgrundes Beute wurden. Diese Ereignisse und ihre Darstellungen zeigen, wie bei bedeutungsvollen Vorkommnisten, die zu Wendepunkten sich gestalten im Völkerleben, wie in den Schicksalen einzelner Personen stets, unabhängig von der Zeit und den Verhältnisten, derselbe Ausdruck der Freude menschenwürdig und menschenehrend ist: Die Freude wird ausgesprochen in dem Liede! M. A.! wie das Lied getragen werden muß von dem Schwünge höherer Empfindung, wie es in strenger Form Beachtung doch frei einherströmt, sich selbst Ziel und Endzweck, und doch für lange Zeiten wirkungsvoll für Tausende, wie es vereint Begeisterung und Ruhe, Kühnheit und Maaß, also gleiche ihm die wahre Freude. Doch dies allein genüget nicht — es wird das Lied zum Liede nicht durch der Worte kunstvolles Aneinanderreihen, nicht durch der Verse Gleichklang. Der Inhalt erst, der poetische Gedanke drückt den Versen das Adelssiegel des Gedichtes, des Liedes auf! Gleich, m. Th., ist der Freude Würdigung! Nicht die Form, in welcher wir der Freude Ausdruck leihen, ist ihr Wesen, wenn sie auch unzertrennlich von ihr ist. Das Wesen, der Gedanke, der ihr zu Grunde liegt — muß ein tiefes, seelenvolles,