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Israelitisches Predigt-Magazin · 1975-03-01 · 6 (3.1975) · p. Seite 147

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
6 (3.1975)
Date
1975-03-01
Page
Seite 147 (sequence 19)
Language
German
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III. Daickeslied und Lebensfreude. Uredigt für den siebenten Hag des Keßachfestes. von Rabbiner vr. Adolf Lew in in Koschmin. ivv ״ נדרי לה' אשלם נגדה נא לכלMeine Gelübde dem Ewigenwill ich lösen von dem ganzenKreise seinesVolkes! (Psalm 116,14.) In Andacht Versammelte! Wir haben erhoben den Becher des Heils und riefen an den Ewigen, da bewußt der Einwirkung auf uns wir bei des Festes Beginn gedachten der Großthaten, die Gott' den Ahnen sowie uns erzeiget. Eine Fülle von Verpflichtungen, von Mahnungen an uns entströmte einer solchen Betrachtung — und nun, da das Fest seinem Ende nahet, wollen wir nicht entschwinden lassen jene Eindrücke, sondern sie fefthalten und wirksam werden lassen, aus daß wir erfüllen das Gelübde, welches vor Gott wir ausgesprochen haben. Heute, meine Theuren, umtönen uns in reicher Wahl Gesänge des Lobes, des Dankes, der Freude und des Frohlockens! Abermals ist's der Rückblick in die Vergangenheit vereint mit dem Einblicke in die Gegenwart, was der Ahnen frohen Sinn auf uns überträgt,, was lebendig und wahr jene Meistersänge von unsern Lippen erschallen läßt. Ist es doch dem Menschen angeboren, daß nicht in lautlosem Schweigen er zu äußern pflegt die Eindrücke, welche die Geschehnisse aus ihn machen, sondern, daß in der Töne auf- und absteigender Reihenfolge er jeglicher Schattirung des Empfindens Zeichen leihet. Besonders das Gefühl des Wohlbehagens und der Freude hat eine reiche Gliederung dieser Töne, so reich und mannigfaltig, daß sie erkennen lassen Bildung und Charakter dessen, der sie äußert. In unbändiger Weise erschallt wild das Jauchzen des von der Cultur unberührten Naturmenschen. Sanfter wird der Jubelruf, melodischer und harmonischer mit der Zunahme der Gesittung, bis es sich fügt zum Liche, zum Dank gebete. Es ist ein Zeichen des bewahrten, unverdorbenen Sinnes, wenn man sich ganz der Freude hingeben, wenn ungekünstelt man sie bezeigen kann, und wieder der Beweis eines ungesestigten, haltlosen Geistes, wenn schrankenlos, wenn maßlos sich vernehmen läßt die Freude. Und wie der Freude Ausdruck, meine Theuren, so scheidet auch ihr Grund und ihre Ursache in reiche Stufen der Menschen Wesen. (Ps. 4, 8) ״ כתתה שמחה בלביDu gabst Freude mir ilLs Herz, mehr als wenn ihr Getreide und ihr Most sich mehret." Freude ob der Fülle, Freude ob des Erfolges, Seelenfreude, Freud^ am Leben. Die Freude am Leben aber ist es, in welcher Gott wir das Israelitisches Predigt-Magazin. März 1875. 10

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