Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 6 (3.1975)
- Date
- 1975-03-01
- Page
- Seite 149 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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149 aus dem Herzen stammendes Fühlen sein — bewußt muß sich die Freude ihres Ursprungs werden und folglich aufstreben aus der selbstischen Genügsamkeit, aus dem Frohlocken hin zum Danke. Dann wird das Lied, die Form, in welche wir die Freude kleiden ״gleich sein der Nacht, da das Fest geweihet wird." Ist ein Begegniß uns so inhaltsvoll geworden, daß sein Gedenken sich gestaltet zu einem Festestage — oder hat auch nur zu wahrer Freude bei seinem Eintreten es uns begeistert, dann ist seines Wesens Prüfstein: הללויה סוף פרקא׳ הללויה ריש פרקא ״ob es zum Danke aufstrebt, ob es dem Dank' entstammt." Denn der alte Wahrspruch: (Pf. 111, 10) ראשית חככוה יראת ה׳ שכל ״ טוב לכל עושיהםDer Weisheit Anfang ist die Gottesfurcht, sie spendet Einsicht Allen, die sie üben" — hat auch hierbei volle Geltung sich bewahrt: Der weisen, wahren Freude Anfangs- und Ausgangspunkt ist das Erkennen und die Furcht des Ewigen — ihr Ziel, der Segen, den sie spendet denen, die sich ihr wahrhaft hingeben, ist Einsicht und Erfassen des göttlichen Waltens. Wenn solche Freude uns geworden, dann gleichet sie des Festes Weihe, dann wird ihr Bezeigen der höchste, edelste Genuß, dann wirkt beseeligend sie und hallet nach durch der Zeiten Wechsel. Der Rettung Frohlocken, das Jauchzen der vom Unheil Befreiten ist ein unerschöpflicher Born der Weisheit, Gottesfurcht und Lebensfreude. לא כל מי שאומר שירה, אמר; אלא כל מי שנעשה לו נם ואומר שירה, בידוע שמוחלין לו כל עונותיו ונעשה בריה חדשה ״Nicht Jeder, der ein Lied aus seinem Munde gleiten läßt, hat wahrhaft ein Lied gesungen. Nur wer gesehen hat an sich und seinen Lieben bewähret Gottes mächtige Rettung, und wer dankerfüllten Sinnes i h m anstinnnt das Freudenlied, dessen Sünden sind verziehen, denn er hat abgestreist die alte Hülle und ward gewandelt zu einem neuen, besseren Wesen." Daher, meine Theuren, stellen unsere Lehrer die Forderung, daß jeder Israelit zu jeder Zeit den Auszug aus Aegypten als von ihm selbst miterlebt betrachten solle — so daß wahr und voll ihm sprudle des Dankes Quell, daß seine segensreichen Wirkungen ungemindert verbleiben allen Geschlechtern! Denn wie der Ausgangspunkt der Freude in Gott zu finden war, ist auch ihre Wirkung hin zu ihm gerichtet. Sie wandelt um den Geist des Menschen. Freier wird sein Blick, so er sich errettet sieht, da ihm Untergang droht. Gar Manches, was er geschätzt und werth gehalten, hat er in seiner Nichtigkeit erkannt, als der Verlust der theuersten Lebensgüter ihm vor Augen stand. Gar Vieles, was er bisher mißachtet, hat als fester Stab und Stütze in seinem Unglücke sich ihm erwiesen. Er hat erkannt, er hat es selbst erfahren, wie