Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 6 (3.1975)
- Date
- 1975-03-01
- Page
- Seite 141 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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141 ein vorangehendes Streben, eine That, und so werden auch in einem andern Lehrsätze vier Seiten im Verhalten Israels bezeichnet, durch welche es sich werth erwiesen hat der Befreiung. Diese vier Seiten sollen auch in unserem Wesen sich ausprägen, so wir nachstreben dem vierfachen Trostesbecher aus dem Schatze der göttlichen Gnade! Als erstes Verdienst wird hervorgehoben: Israel ward aus Egypten befreit ״ שלא שנו את שמםweil sie ihren Namen nicht gewechselt!" Meine Andächtigen! es hieße die Weisen mißverstehen, wollten wir in sklavischer Buchftabentreue annehmen, daß sie hiermit nichts Anderes gemeint haben, als daß Israel ängstlich darauf bedacht war, daß fein Name derselbe bliebe, daß dieser Name in seiner ureigenthümlichen Form ausgesprochen werde. Denn abgesehen davon, daß die Heranwachsende Volksmenge noch keinen eigenen Volksnamen besaß, sehen wir in der Geschichte wechseln die Namen, Israel und Jakob, Juda und Volk des Ewigen; und wenn fie's gethan, welch' Verdienst, welcher Vorzug kann damit erworben und begründet werden? Anders aber, m. Th., schon erscheinet es, wenn wir hinzeigen auf die Gefahr der Verlockung, die gleicherweise harter Druck sowohl wie volle Freiheit in sich bergen. Angenehmer und vortheilhafter ist's da, zu den Bedrückern, denn zu den Bedrückten zu gehören, wie es auf der andern Seite passend und ehrenvoll erscheint, alles Sondernde zu beseitigen, um allein Mensch, allein Staatsbürger zu sein! Israel aber hat seinen Namen, seines Stammes Gliederung bewahrt in Zeiten, da dieser Name gleichbedeutend war mit Noth und Elend, Druck und Schmach, da treues Festhalten ward vergolten mit Haß und Tod, indeß dem feigen Abfall reiche Ehrenkronen winkten — und wir sollten verläugnen diesen Namen aus unverständigem Großmuthskitzel, oder um uns zu erwehren des leisen Unbehagens, welches noch heutzutage hie und da Ungebildete und Halbgebildete durch ein vornehm seinsollendes Gebühren uns erregen? Jedoch auch dieses treue Festhalten an der Gesammtheit, das Treubleiben bei der kämpfenden Schaar, der wir zugetheilet worden, füllet noch nicht ganz jenes Verdienst aus; vielmehr ist diese Pflichttreue nur ein Zeichen des Treubleibens Israels! Dieses aber finden wir wieder in dem Schriftworte, welches nach unfern Weisen des ersten Bechers Bedeutung kündet: (Ps. 16, 65) ה׳ מנת חלקי ופרסי אתת ״ תומיך גורליDu Ewiger, mein Freudenmahl, mein Kelch, Du hast mich geleitet in meines Berufes Wahl!" Dieses Wort, m. Th., gilt nicht nur dem Einzelwesen, auch die Gesammtheit Israels spricht