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Israelitisches Predigt-Magazin · 1875-01-01 · 4-5 (1.1875) Januar-Februar · p. Seite 128

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
4-5 (1.1875) Januar-Februar
Date
1875-01-01
Page
Seite 128 (sequence 42)
Language
German
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128 26 Seiten im ungefähren Format dieses ״Magazins" — umfassende Rede aufsehenerregend zu nennen. Doch selbst zugegeben, daß der Redner vor der Drucklegung hie und da im Manuscripte vielleicht Zusätze gemacht hat, so bleibt an der ursprünglichen Rede der ganzen Anlage nach doch noch so viel, daß sie auf den Zuhörer im höchsten Grade abspannend gewirkt Haben muß, zumal auch darin durch keine sichtbare Theilung des immensen Stoffes für geistige Ruhe- und Sammelpunkte gesorgt ist. Und was nun gar erst den Inhalt alllangt, so ist derselbe nicht nur aussehen-, sondern staunen- und verwunderungerregend! Die größere Hälfte dieser Rede ist ailgesüllt nrit der Darlegung der Lehren des ״Naturalisurus" lind ״Pessimismus" im trockensten Kathederton ohne jeglichen rhetorischen Schwung — daß es an letzterem dem Redner nicht fehlt, zeigt er ja im Anfang und gegen Schluß, wo er sogar überschwenglich schwungvoll wird, er sagt im einleitenden Gebet: ״laß aufhorchen die Höhen, und die Tiefe vernehme meines Mundes Worte", über den gen Ende der ״ganzen Welt" ertheilten ״Kuß" haben die Blätter zur Genüge berichtet — so daß man vermeint, einen Aussatz in einer sachwissenschaftlichen Zeitschrift oder — wie lins ein College schreibt — aus einem ״Collegierchefte" zu lesen. Wir verwahren uns sehr dagegen, als ob w׳r von der jüd. Predigt verlaligten, sie dürfe nicht philosophisch sein und habe die zeitwissenschaftlichen Fragen außerhalb ihres Bereiches stehen zu lassen,*) aber wir kölinen es durchaus nicht billigen, daß man von der Kanzel derartige Abhandlungen mit all dem schweren Gepäck der für den Nichteingeweihten vollständig unverständlichen philosophischen Terminologie boctreitb vortrage. Was mochte sich so ein Erbauung, Erheburig und Belehrung suchendes Nürnberger Gemeindemitglied bei Ausdrücken wie ״Pallnlonotheismus, Teleologie, Monismus, Anthropomorphismus, 'Nihilismus, materielle Einzelsubstanzen, natürliche Zuchtwahl u. s. w." gedacht haben? oder bei Sätzen wie: ״weil das Unbewußte beim Pessimismus etwas Trübes fühlt, darum muß auch die Welt aus diesen: unbewußten Gefühle heraus entstanden sein", ״aus der Idee ist noch nicht die Nothwendigkeit der Existenz des Gedachten zu folgern", ״der Dualismus ist materialistisch, weil er den Geist zu einer Art von Materie macht", oder ״von der schweren Pflicht der Mitarbeit am Prozesse, wieder unterzutauchen in das Brahm" u. ff. — wir glauben^ es niuß ihm wie dem ״Schüler" in: ״Faust" zu Muthe gewesen sein, der ganz verdutzt die Worte spricht: Mir wird von alle dem so dumtn, als ging' nur ein Mühlrad im Kopfe herum." Daß der Redner in dieser ״Weiherede" Darwirt, Strauß, Feuerbach auftreten läßt, und auch — zur besseren Erklärung! — Sätzchen: ״wie Bär das so sicher zeigt", ״wie 2L esnormirt hat", oder ״Lessings neues Evangelium" einflicht, nimmt nach dem Bisherigen nicht Wunder; ebensowenig daß dem Redner sonach nicht viel Zeit und *) Wir verweisen zum Ueberfluß ans den im 2. Hefte dieses ״Magazins" gebrachten Artikel: Die Aufgabe der isr. Predigt der Gegenwart.

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