Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 4-5 (1.1875) Januar-Februar
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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129 Raum für echt-jüdische Gedanken und für eine erschöpfende Behändlung des eigentlichen Themas bleibt. Schon ziemlich gegen Ende erinnert er sich, daß er doch im Grunde in einer Rede zur Einweihung einer Synagoge doch auch etwas über die Bestimmung eines Gotteshauses reden müsse, was er alsdann mit desto größerer Kürze, anknüpsend an die entsprechenden Inschriften über uub zu beiden Seiten der heil. Lade sowie der verschiedenen Portale in prägnanter Weise thut. Inden: wir schließlich nur noch aus eine Stelle in den: beigesügten Bericht über ״die Eitttveihungsfeierlichkeit", wo ״die Verkündigung des göttlichen Namens" als besonderer Punkt im Fest- Programm aufgezählt wird, als 511111 mindesten in der Ausdrucksweise fehlerhaft Hinweisen, muffen wir die ganze ״Weihrede" als ״verfehlt" bezeichnen. Die ״CH auttka-Predigt" des Hrn. I)r. Tietz nimmt einen guten Anlauf und hätte, wäre der Vers, bei der Ausführung des in der Einleitung angedeuteten ThemcLs verblieben, eine gute drei-' theilige Predigt: das Licht der Religion a) in der Nacht der Unwiffenheit, d) des Leidrns, e.) des Todes -- dargeboten; allein Redner wollte gegen den (beabsichtigten) Schrimmer Scheinaustritt polenüsiren, und — ״n:an merkt die Absicht und wird verstimmt." Er läßt seinen zur arigedeuteten Dreitheiluug sehr geeigneten Text von den drei Nachtwachen (Berachoth, Ans.) in Stich, behandelt nur den ersten Theil, un: seine Ausfälle, zu benen das Chanukamotiv allerdings recht geeignete und vom Redner anch trefflich benutzte Handhaben darbietet, daran zu knüpfen, wodurch er statt einer guten Predigt eine gute Polemik geliefert hat; das reine ״Licht der Lehre" erscheint durch den Parteihaß getrübt. Dies im Allgemeinen; an Einzelheiten hättet! wir auch noch Manches zu bemerken. So z. B. daß die agadische Deutung der dritten Nachtwache auf die Todesstunde uns sehr gezwungen erschein!, ״das Kitid au der Brust der Mutter — Erde, die Frau, die ihrem Manne wichtige*) Mittheilungen macht, soll die vor Gott Rechenschaft ablegende Seele sein!?" Ferner um im ״schreienden Esel" den ״Unkenruf der Unwissetiheit" zu vernehmen, bedarf es nicht erst der erkläretiden Bemerkung: המ1ר״ erinnert an חומר vernunftloser Stoff" (S. 9.) Der zw.ei Zeilen darauf folgende Ausdruck ״Tonart der Tyrannei" ist rächt glücklich gewählt. Sonst ist die Diction gut. Von den ״z w ö l f T i f ch rede n" behandelt: zehn das unerschöpfliche Thema über jüdische Wohlthätigkeit, zwei die religiöse Utld bürgerliche Freiheit. Sie zeichtlen sich fütnnrtlich durch Knappheit, feine Pointe und geistvolle (hie und da witzige) Anwendung von Schrift- Worten oder Festmomenten aus. Wir heben aus der vierten (S. 10) ein Beispiel hervor: ״ ויהי בבקר והנה היא לאהnachdem der Freiheitsmorgen für uns angebrochen, ist die Glaubensgemeinde Israels *) Dagegen heißt's im En Jakob z. St.: כי סתם דבריה בעת ההיא בדברי הבאי.