Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 4-5 (1.1875) Januar-Februar
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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126 barung für die jungen Seelen. Wie dereinst die Israeliten in freudigem Erbeben am Sinai, so stehen Sie, geehrtes Brautpaar, freudvoll und doch ernst, fröhlich und doch in gehobener, heiliger, weltfremder Stimmung hier unter dem Trauhimmel, wissend, daß sie zu dem entscheidenden durch die Religion besonders geweihten Tage ihres Lebens gelangt sind. Allen, die wahrhafte Liebe zusammenführt, ist dieser Tag der Zenith des Glückes, welches den Menschen erreichbar ist, wie der Tag der Offenbarung der größte Tag bleiben wird in Israels Geschichte, und dem Menschen ist die Kraft gegeben, für die ganze Dauer dieses Bundes auf dieser Sonnenhöhe zu verharren, wenn er es innerlich will, wenn er den Bund nicht nur mit den Lippen, sondern mit ganzem Herzen und ganzer Seele schließt. Deshalb blüht ihnen, geehrtes Brautpaar, mit Gottes Hülfe ein volles Glück, weil der heilige Akt der Weihe, mit den: die Religion ihren Bund schminkt und krönt, nichts weiter ist als eine Besiegelung der innern Gemeinschaft, als der klare Ausdruck Ihrer Empfindung. Aber die Bundestafeln sind nur dann ein Gleichniß der Ehe, wenn die Worte des Gottesbundes eingezeichnet sind auf den Tafeln ihres Herzens, wenn ihr Leben ein Spiegelbild der göttlichen Lehre ist. Sie verlangt von dem Menschen nichts Unmögliches, ״sie ist, wie es in der Schrift heißt, nicht in: Himmel, daß einer in den Himmel hinaufsteigen müßte, um sie von dort zu holen, sie ist nicht jenseits des Meeres, sie ist nicht entfernt und verhohlen, sie ist in unserem Munde, in ullserem Herzen, gar leicht zu üben." Und zuvördest ziemt es Ihnen, in dieser Stunde der Pflichten zu gedenken, die Sie gegeneinander zu erfüllen haben. Sie sind leicht und ein erfreuliches Werk denen, die in Treue zu einander stehen; sie wären eine drückende Last, wenn, was Gott verhüte, jemals die Gluth ihrer Empfindungen erkaltet, wenn ihre Ehe aufhörte ein Seelenbund, eine Herzensgemeinschaft zu sein. Denken Sie auch stets dankbar der treuen Eltern, die Sie bis hierher geführt haben, deren Gegenwart jetzt ihr schönster Schmuck, die krönende Weihe dieses Festes ist. Geehrte Braut! Die Pflichten gegen die Eltern, die Ihnen jetzt zur Seite stehen, ich brauche sie Ihnen nicht einzuschärfen; die rührende Liebe, welche diese Ihnen gewidmet habet:, sie rührt zuvörderst, wie es sich gebührt, Ihr Herz, geehrte Braut, daß sie in Ihnen eine rechte Tochter gewonnen haben: Gott lohne diesen wackern Menschen ihr Herr- ' liches Thun, daß ihr Lebensabend rein und wolke::los sei, daß sie ::och recht viel Gutes üben und erfahren. Aber denken Sie auch recht oft des Elternpaares, das jetzt nicht bei Ihnen weilt, das der Herr frühzeitig abgerufen in fein himmlisches Reich. Als sie schei-