Mannheim
Compact Memory

Israelitisches Predigt-Magazin · 1875-01-01 · 4-5 (1.1875) Januar-Februar · p. Seite 125

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
4-5 (1.1875) Januar-Februar
Date
1875-01-01
Page
Seite 125 (sequence 39)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9616701-9619452-9619556--0144-9619595
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

195 ohne des Weibes Zartheit, was der Muth des Mannes ohne die Milde der Frau; wie vom Schlummer gefangen blieben die edelsten Kräfte, wenn die gegenseitige Liebe sie nicht weckte und spornte; das Ringen nach der Gunst der Geliebten hat von jeher die Edelsten zu den schwersten Thaten begeistert. Der Dichtung reinste Blüthen sind zartem Gemüthe entsprossen, weil die Sonne der Liebe sie zum Lichte hinauszog aus den Tiefen der Seele. Heil dem Herzen, das an sich selbst erfahren, wie die Liebe jeden Trieb veredelt, jede Kraft erhöht, wie sie uns klärt und läutert von der Selbstsucht niedrigen Schlacken; ihm ist, als hätte er Gottes Engel geschaut, und jene himmlische Erscheinung geleitet ihn durchs ganze Leben, uno selbst durch mächtige Wolken dringt ihr mildes Licht; er kann nimmer verzweifeln und untergehen. Nur in dem Verein, den die Liebe gründet und der Glaube> weiht, offenbart der Mensch seines Geistes Kraft, seines Herzens Größe; alle Tugend, alle Tüchtigkeit kann sich nur entfalten in dem Hause, über welches die Genien der Gattenliebe ihre schirnienden Fittige halten. Drastisch und mit scharfem Witze sagen darum die Alten: ״Wer ohne Weib lebt, sei gar kein Mensch, denn so heißt es: Mann und Weib erschuf er sie, da erst nannte er ihre Namen ״Adam", Mensch; fein gutes Werk, keine Freude und kein Segen, kein Wissen u. keüt Schutz, kein Friede selbst kann in dem Hause weilen, dem die Herrin fehlt. ״Zwei Tafeln und eine Wahrheit, das ist die Thora, zwei Gemüther und ein Wesen, ein Fühlen und Empfinden, das ist die Ehe." Uno sollte es ohne Bedeutung sein, daß die Alten zum Gleichruß dieser Zweieinigkeit gerade die beiden ButtdesLafeln, das heiligste Symbol gewühlt haben, welche Israel verehrt? Das möchten wir nimmer glauben, vielmehr hier den Hillweis finden, daß die Thora lmr Leben gewinnt int Hause, in der Ehe. Alles, was die Schrift lehrt, es wäre wie Buchstaben gewesen, die in die Luft gezeichnet sind, ohlte Israels Familien; diese waren so zu sagen die Tafeln, auf welchen die Buchstabelt ruhten, aus diesem Grunde waren sie deutlich zu lesen und zu verstehen. Häuser aufrichten, in denen ein Geist waltet, weil die Liebe zwei Seelen zur Einheit formt, die Thora kann mit allen ihrert Satzuttgen unb Geboten nicht mehr wollen, denn solche Häuser sind die festen Bürgen der Tugend und der Gottesfurcht. Die Tafeln des Gottesbundes und der Gottesbund der Liebe werden zusamtltengestellt, weil es nichts Heiligeres giebt, als die Wahrheit und die Liebe, als die Thora und die Ehe. Darum ist der Tag, an welchem Bräutigam und Braut zu diesent ewigen Bunde sich vereinen, gleichsam wie eilt Tag der Offen-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.