Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 4-5 (1.1875) Januar-Februar
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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122 ausführlich schildern;*) mir, der ich im Namen der jetzigen Hörer des Seminars hier stehe, mir liegt es in erster Reihe ob, das Ver-׳ hältniß des Meisters zu seinen Jüngern, des Lehrers zu seinen Schülern hervorzuheben: Mit dem Propheten Zacharias konnte der Verewigte sprechen: ואקח לי שני מקלות לאחד קראתי נעם ״ ,ולאחד קראתי הבלים ואדעה את הצאןich nahm mir zwei Stäbe, den einen nannte ich M i l d e, den andern nannte ich S t r e n g e, so weidete ich meine Heerde." Ja, gegen sich selbst war er streng, für uns jedoch hatte er immer mit Strenge gepaarte Milde. Anregend und aufmunternd, beschwichtigend und ermuthigend hatte er uns Alle und Jeden insbesondere in sein warmes Herz geschlossen. Wir waren sein Alles, sein Stolz, seine Herrlichkeit; uns hat er seine ganze Kraft, seine ungetheilte Zeit geweiht; für uns hat er gelebt, für uns hat er gewirkt und gearbeitet; Tag für Tag war sein erster, war sein letzter Gedanke das Seminar. In uns, in seiner Kinder Schaar, sah er sich verjüngt, und mit freudengeschwellter Brust pflegte er zu sagen ״ ,בני הם אשר נתן לי ה׳ בזהmeine Kinder sind sie, die mir Gott der Herr hier gegeben." Und das sind wir mit gutem Recht! Wir, die zu seinen Füßen gesessen, wir, die an seineu Lippen gehangen, wir, die seinem lebendigen uitb belebenden Worte in Andacht und Ehrfurcht gelauscht, wir, denen es vergönnt gewesen, in seinem, von göttlichem Geiste verklärten Antlitze uns zu sonnen, wir haben von unserm Meister gelernt לחשוב מחשבות לעשות, denken und arbeiten. Denn im strengsten Sinnendes Wortes hat er beherzigt und bethätigt das Geheiß ומשחת אתם ״ ׳ומלאת את ידם וקדשת אתם וכהנו ליDu sollst sie empfänglich machen, ihnen die Hände füllen, sie heiligen und mir zu Priestern weihen." Ja, er hat uns empfänglich gemacht für den heiligen Be- - ruf, Priester der Wissenschaft und des Glaubens zu sein, durch seine Gedanken und Thaten, durch Wort und Schrift, durch seine Gemüthstiefe, durch seine Geistesschärfe, durch seine Forschungsweise, durch seine Lehrmethode, durch sein klares Denken, durch sein innig warmes Fühlen und Empfinden. Er hat uns geheiligt und geweiht durch seine heroische Charakterfestigkeit, durch seinen idealen Hochsinn, durch seine geläuterte Gottesfurcht, durch seine von Schlacken reine Frömmigkeit, durch den prophetischen Geist, der auf ihm geruht. Er hat uns aber auch die Hände mit Arbeit gefüllt, indem er mit seinem, alle Schachten und Tiefen durchdringenden Forscher- *) In der Seminar-Synagoge sprachen: Dr. Perles, Dr. Landau, ür. Schwarz, am Grabe: Dr Joel, Dr. Güdemann, Dr. Treuenfels, Dr. Rahmer.