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Israelitisches Predigt-Magazin · 1875-01-01 · 4-5 (1.1875) Januar-Februar · p. Seite 115

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
4-5 (1.1875) Januar-Februar
Date
1875-01-01
Page
Seite 115 (sequence 29)
Language
German
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115 und selbstbegeistert von jener Lehre, mache er seinen Kreis bekannt, und vertraut mit des Gesetzes hohem, beglückendem Werth; denn Unkenntniß ist ja meist die Quelle jener absprechenden Urtheile, welche wir unter uns selber so oft vernehmen. Da lasse er festen, unbiegsamen Characters das nicht lockern, an dem nicht rütteln, was an keinen Ort und keine Zeit gebunden ist, sondern spreche dann beherzt mit dem alten Weisen: מוטב לי להקרא שוטה כל ימי ולא ״ לעשות שעה אחת רשע לפני המקוםBesser ein Thor mein Lebelang vor Menschen, denn auch nur eine Stunde ein Sünder vor dem Herrn." Ja, ״so er wandelt in Gottes Wegen und beobachtet seine Vorschrift", dann wird er Vertrauen erwecken, Zugang sich verschaffen zu denen, die hier stehn. Aber, so höre ich Euch, m. A., fragen, sollen wir denn etwa dem träge und übermüthig machenden Stillstände huldigen, besteht nicht das wahre Leben — auch das religiöse — in stetem Streben, ist nicht stete Entwickelung in der Natur, Streben, wohin wir schauen? Ja wohl, auch wir wünschen einen Fortschritt, aber einen gedeihlichen, berechtigten, gesetzmäßigen. Wer wollte es denn auch leugnen, daß neben so vielen inhaltsreichen, herzerhebenden Gebräuchen sich auch mancher Mißbrauch, manche Unsitte unter uns eingeschlichen? Gleich wie unser Ahne und Vorbild Jakob in dem Kampfe einer Nacht schon verletzt wurde, so hat Israel durch langes Ringen und Leiden so manche Wunde davongetragen, welche wir in einer schöneren, freiheitsspendenden Zeit verbinden, heilen und vernarben lasten. Ja wohl, auch wir wünschen einen berechtigten, gesetzmäßigen Fortschritt, aber wie ihn Jesaias der Prophet andeutet כי לא בחפזון תצאו ובמנוסה לא תלכון כי הלך לפניכם ה" ומאספכם אלהי ישראל ״Nicht in Hast sollt ihr ziehn und nicht in eiliger Flucht, sondern vor Euch ziehe der Herr, und euren Zug schließe der Gott Israels." (Jesaias 52, 12). Mit angemeffenen, würdigen Mitteln sollen wir strebend aufrichten und nicht zerstören, gleich denen, welche unter Nehemias die Mauern des verödeten Jerusalems herstellten, in der einen Hand die Maurerkelle, in der andern des Gesetzes Leuchte. Stets voranschreiten muß uns da der göttliche Geist, wie er sich unfern Vätern, wie er sich uns in der Zeiten langem Raume offenbart hat; nicht hinlugend nach Fremdem, dem Wesen des jüdischen Volksgeistes Widersprechendem, sollen wir vielmehr unsere Gebräuche durchgeistigen, ihren wahren, tiefen Gehalt begreifen lernen, sollen wir nie das Wort unserer alten Weisen vergessen עולם p איזהו הבא כל שכנגד זקניו כבוד, daß nur jenes von segensreichem, dauerndem Bestände sein kann, was aufgerichtet wird auf der Grund-

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