Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 4-5 (1.1875) Januar-Februar
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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114 Wüstenwanderung antrat, da es gescheucht und gejagt wanderte von Land zu Land, von Stadt zu Stadt und keine Ruhestätte finden konnte für seinen Fuß, und doch ging es nicht unter, weil ihm auch hier vorangeschritten war die Bnndeslade des Herrn, und mit Recht konnte es, ein ganzes Volk von Priestern, am Ende seiner Wanderung ausrnfen:,״ שמרו אמרתך ובריתך ינצחHerr, wir haben bewahrt Dein Wort und gehütet Deinen Bund!" — Und es schwand die Nacht, und es kam der Morgen, und Israel begann mit ungeschwächter Spannkraft mitzuarbeiten an allen Bestrebungen der Völker, begann sich zu reinigen von den Schlacken, die sich ihm angeheftet hatten und begann auszubauen das Heiligthum unfrer Freiheit. Aber mit welchen Mitteln geschah dieses? Etwa indem immer die paffenden Bausteine, die richtigen Werkzeuge genommen wurden, indem ntan langsam und bedächtig vorwärts schritt, immer den Sinn gerichtet auf der Lehre weisen Rath? Oder zog man nicht vielmehr mit Hast, schritt vorwärts in eiliger Flucht, indem voranzog der mit seiner Zeit dahinschwindende Zeitengeist und nur langsam und fast unbeobachtet nachfolgte die mit Undank belohnte, ewige Lehre? Und man mauerte mit zerbrechlichen Steinen, und es wäre zusammengestürzt das gekittete Gebäude, hätten es nicht bedächtige, gottbegeisterte Männer gestützt auf sturm- und wetterfesten Pfeilern, hätte sich nicht auch hier bestätigt die Wahrheit unsres Textwortes, daß nur das sich Zugang verschafft, was getragen und durchdrungen ist von des Herrn Geist. Diese Zeit, welche so manche unter Euch noch miterlebt, mitempfunden, sie liegt zwar längst hinter uns, und doch auch heute noch beginnt sie in Israel zu lockern und zu lösen das religiöse Band, auch heute noch fordert sie einschmeichelnd und gebieterisch, lockend und drohend ihren Tribut von uns. Wahr- , lich, wie verantwortlich ist nicht da vor Allem das Amt eines Lehrers in Israel! Wie schnell, wie leicht kann er gegen eine reiche Vergangenheit fehlen, so er nicht das edle Metall von den Schlacken, Körner von der Spreu, Gesetz und altehrwürdigen Brauch von eingeschlichener Unsitte scheidet, kann er gar bald eine hoffnungsreiche Zukunft zerstören, wenn es ihm nicht gelingt, die sich lösenden Stäbe zusammenzuhalten, daß sie ״eins seien in seiner Hand!" Mehr denn je ergeht deshalb Heus an ihn des Propheten mahnender Ruf: ״Nur wenn du in meinen Wegen wandelst und beobachtest meine Vorschrift, werde ich dir Zugang verschaffen zu denen, die hier vor dir stehn." Ja, getragen von wahrster Gottesfurcht, sei der Lehrer in Israel alle Zeit ein Hüter, ein Förderer jener Wahrheiten, welche der Stolz, die Stütze, der Halt sind für unsere Gesammtheit. Tief durchdrungen