Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 4-5 (1.1875) Januar-Februar
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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108 ungetrübtem Quell zu tränken, nachdem manch' schwerer Stein des Anstoßes hinweggeräumt, unseres Glaubens strahlend Banner hoch zu erheben, und den der Gegenwart grollenden hyperfrommen Brüdern zu zeigen, wie unsere Glaubenssonne noch nicht untergegangen; ja, daß Israel ein Reich sei, in dem diese Sonne nie untergeht. Nach starrem Froste, nach sengenden Gluthen fiel immer wieder der Gnadenthau göttlicher Huld und geläuterter Gotteserkenntniß in den Kelch der Saronsrose, denn der Herr sprach: ״ich werde wie Thau sein für Israel", und auf dem von Gottesthau getränkten, von der Sonne geläuterter Erkenntniß beschienenen Boden blüht es und keimt es in Israel, und dehnen unsere Wurzeln sich weit hin uno senken sich tief in den jüdischen Boden, und so geht in Erfüllung auch in der arg verschrieenen Jetztzeit das Gotteswort ״ich werde sein wie Thau für Israel, daß es blühe wie die Rose u. s. w." II. Von der Gegenwart haben wir gesprochen, behauptend, daß auch sie nicht nur keine absolut glaubenslose, sondern sogar eine Blüt Hertz eit der Religion Israels sein kann, wenn die Berufeneu, ihrer Pflichten und des Zeitruses eingedenk, ihres heiligen Amtes walten; ich möchte nun aber auch von dem Glauben der Jetztzeit, von den Bedingungen der segensreichen Entfaltung des religiösen Glaubens in der Jetztzeit ein Weiteres sagen, und was in dem Rufe an die grollenden Hirten nur flüchtig angedeutet, nun etwas näher und eingehender besprechen. Kehren wir daher zu dem reinen, unversiegbaren Quell des göttlichen Prophetenwortes zurück. Sehet, auch hierüber gibt das Gotteswort im Munde seiner unsterblichen Seher uns Aufschluß, indem es heißt: והיה אמז-נת עתיך ״es sei der Glaube deiner Zeiten", ״ חסן ישועותein Hort des Heiles", ״ חכמה והעוזWeisheit und Erkenntniß", יר^רז ה ״ היא אוצרוGottesfurcht sein Schatz." Es gab eine Zeit, in der der Glaube als Alleinherrscher unter den Menschen hoch zu Throne saß, es genügte, zu glauben, um auf Erden schon selig zu sein. Ob dieser blinde Glaube, auf dessen heiligen Tempels hohe, himmelanstrebende Zinnen kein Sonnenstrahl prüfender Wissenschaft und leuchtender Volksbildung fallen durfte, auch heilbringend für Gegenwart und Zukunft Israels war, ob solcher Glaube auch, wie es gottentstammte Religion soll, die himmlischen Friedensengel allgemeiner Menschenliebe, Duldung und milden Brudersinnes als Herolde vor sich herziehen ließ, ob solcher Glaube, gehegt und gepflegt, in nichtjüdischen Kreisen heil-