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Israelitisches Predigt-Magazin · 1875-01-01 · 4-5 (1.1875) Januar-Februar · p. Seite 106

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
4-5 (1.1875) Januar-Februar
Date
1875-01-01
Page
Seite 106 (sequence 20)
Language
German
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106 let, ich rufe euch als Schiedesrichter auf, indem ich frage: ״ist dies wahr? ist eine Zeit, in der das jüdische Gotteshaus fast allenthalben einem ׳באר מים חיים einem Brunnen gleicht, aus dem das lebendige Gotteswort wie ein frischer Quell uns entgegensprudelt, eine finstere, glaubenslose Zeit? ist nicht vielmehr jedes dieser Gotteshäuser beschienen von der reinen, glänzenden Sonne des erhebenden Glaubens, daß das Gotteswort nie weichen wird aus der Mitte Israels? wird an solchen Gotteshäusern der Jetztzeit nicht zur Wahrheit das Wort des Midrasch ״ והנה באר בשדה זו בית הכנסתder Brunnen im Felde ist das Abbild des Gotteshauses?" Ist — frage ich ferner — eine Zeit, in der der Jude nicht bloß männiglich einsteht für sein heiliges Menschenrecht und für seine Menschenwürde, sondern auch seines Glaubens Recht und Würde anerkannt und gewahrt sehen will, um nicht bloß als Mensch, sondern auch als Jude geachtet zu werden, ist eine Zeit, in der wir nach jedem geistigen Sonnenstrahle geizen, um in dessen Lichte das Banner unserer Religion hoch und glänzend wehen zu lassen, eine glaubenslose Zeit? ist die Zeit für das Tagewerk unserer Hirten wirklich vorüber?" *Mit! sage ich euch, und mit den Worten des Patriarchen Jakob rufe ich den grollenden Hirten zu: ״ הן עול היום גדולnoch steht die Sonne hoch!" Lichtumflossen liegt die Gegenwart vor uns, euch ruft euer heiliges Tagewerk ׳לא עת האסף המקנה mit Nichten ist die Zeit eine solche, in der die Heerde Gottes, wie ihr saget, nicht mehr geweidet werden könnte; noch nachdrücklicher möchte ich dies mit den Worten des Midrasch den Hirten Israels in'sHerz rufen: אם שומרי שבר ״ אתם הן עוד היום גדולseidihrblos besoldete Hüter und Hirten der Gottesheerde? nun, so habt ihr fürwahr am allerwenigsten ein Recht, euch eurem heiligen Tagewerke zu entziehen. ואם שלבם ״ אתם רועיםsind's die Eurigen, sind's die geliebten Brüder, die ihr zu weiden als eine Herzenspflicht betrachtet, steht ihr im Solde der Nächstenliebe, seid ihr demnach nicht blos Miethlinge, sondern von des Herzens und der frommen Bruderliebe souveräner Macht bestellt zum Hirtendienste, auch dann rufe ich euch -zu: לא עת האסף המקנה die Zeit ist nicht danach angethan, als gottlos verschrieen zu werden und den Hirtenstab aus der Hand zu legen. ״ השקו את הצאןGeht hin, tränket die Heerde!" Seht, allenthalben sprudeln frische Glaubensquellen in Schrift und Wort, nun denn, so tränket an diesen Quellen die euch anvertraute Heerde im Hellen Tageslichte, das euch umfließt! ״ לבו רעוgeht hin und weidet sie in treuer ausharrender Liebe, nach dem Vorbilde jener Hirten, von denen Gott sagt: ״ ונתתי לבם רועים בלביich werde

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