Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 4-5 (1.1875) Januar-Februar
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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93 in dem Kreise ihrer Pflichten ihre Zufriedenheit fand. Mochten auch in andern Häusern Prunk und Glanz die Bewohner derselben blenden, mochten auch andere Frauen erklären, diesen Prunk und Glanz nicht entbehren zu können, Rebekka ließ sich durch diesen bunten Flitter nicht bestechen, sondern waltete in stiller Einfachheit in ihrer Häuslichkeit, und dadurch ihren Gatten beglückend, war sie selbst glücklich. — Eine milde Wolke ruhte endlich auf ihrem Zelte. Die Wolke, welche das grelle Sonnenlicht sänfligt, ist das Bild der Sanftmuth, welche wie ein milder Hauch das Wesen Rebekka's umgab. Sind Sanftmuth und Nachgiebigkeit in allen Beziehungen des Lebens ein lieblicher, das Weib mit Holdseligkeit zierender Schmuck, dann sind dieselben das kostbarste Gut, der reichste Segen, wenn sie in dem Hause walten, wenn durch dieselben das Herbe und Bittere, das in keinem Hause ausbleibt, gemildert wird. In den engen und täglichen Beziehungen des Familienlebens, in den stündlichen Berührungen zwischen Gatte und Gattin, bewährt sich mehr als irgend sonst das Wort des weisen Königs: ״Nur die Sanftmuth vermag dem aufbrausenden Grimme den glühenden Stachel zu entwinden." Die Sanftmuth ist der Schild, an dem alle Pfeile des leidenschaftlichen Grimmes abgleiten, Sanftmuth und Nachgiebigkeit sind die Wolke, die die Gluth des brennendsten Zornesstrahls mildern. Diese Sanftmuth war ein Reiz, den auch das Alter der Rebekka nicht rauben konnte, ein Reiz, der sie Isaak immer holdseliger und liebenswerther machen mußte. Fürwahr! Gottesfurcht, schlichte Einfachheit und Sanftmuth, sie sind die Blumen eines Kranzes, der niemals verwelkt, der immer und überall dem Weibe unvergänglichen Zauber verleiht. III. Als drittes Moment hoben wir aus der Erzählung unseres Wochenabschnittes heraus, den Ausspruch des treuen Dieners: ״Ich genieße nichts bis ich meinen Auftrag vollführt." Diese Worte, m. A., sind so lehrreich, daß wir auf dieselben die Bemerkung unserer Weisen anwenden können: יפה שיחתן של עבדי אבות וה מתורתן ״ של בניםdie schlichte, einfache Rede des Knechtes Abrahams war nicht minder inhaltvoll Mtd lehrreich als das Gesetz, welches den Sprößlingen des Letzteren gegeben worden." M. A., wie Elieser haben wir Alle, hat Jeder unter uns, einen Dienst, eine Aufgabe, einen Auftrag, der uns anvertraut ist; jedoch wie wenige besitzen die Treue, die Gewissenhaftigkeit Eliesers, daß sie, wie jener Knecht Abrahams sprächen: ״Ich genieße nichts, ich will nicht eher genießen.