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Israelitisches Predigt-Magazin · 1875-01-01 · 4-5 (1.1875) Januar-Februar · p. Seite 91

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
4-5 (1.1875) Januar-Februar
Date
1875-01-01
Page
Seite 91 (sequence 5)
Language
German
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»I H ,5 M. A.! Wir dürfen Nachgiebigkeit mit Schwäche nicht verwechseln, wir müssen die erstere von der letzteren wohl unterscheiden. Wo es sich um irdische Güter handelt, die wir dem Frieden zum Opfer bringen sollen, wo es vermeintliche Ansprüche und liebe Herzenswünsche sind, die als Preis unserer Milde und Nachsicht gefordert werden, da ist Nachgiebigkeit eine Tugend, durch die wir uns groß und edel zeigen. Wo es sich aber um Gottes Sache handelt, wo Gott, der unverfälschte Glaube an den Herrn, als der Preis unserer Milde und Nachsicht gefordert wird, da ist Nachgiebigkeit Schwäche — und durch Schwäche haben edle Menschen oft schon mehr des Schadens gestiftet, als Sünder mit ihrer frevelhasten Sündhaftigkeit. — Nahm Isaak eine von den gottlosen Töchtern des Landes zum Weibe, dann war der fromme Geist seines Hauses gefährdet, dann stand das heilige Erbe in Gefahr, welches er seinem Sohne übergeben wollte; jede Nachsicht von dem Vater dem Sohne gegenüber geübt, mußte das theuerste Kleinod Abrahams, die Zukunft der Gotteserkenntniß, in Frage stellen; Nachgiebigkeit wäre hier sündhafte Schwäche gewesen, und darum sehen wir den sonst milden und nachgiebigen Abraham stark und fest, sehen wir, wie der sonst nachsichtige Abraham auch nicht zu dem kleinsten Zugeständnisse sich herbeilassen will. Kannst Du nicht aus meiner Familie, sprach er zu Elieser, die Gattin für meinen Sohn wählen, dann bist Du frei von dem Schwure, den Du mir geleistet hast. Nicht Geld und Gut, forderte er, daß die Gattin dem Isaak ins Haus bringe, nicht um den Besitz derselben kümmerte er sich; aber Eines forderte er, und davon ging er nicht ab, die Gattin Isaaks mußte werth sein in dem Zelte Sarah's zu wohnen, mußte den Willen haben, den frommen Geist zu wahren, der in diesem Zelte heimisch war. Enthält nicht, nr. A., diese einfache, schlichte Erzählung eine eindringliche Mahnung an unsere Zeit? Mit welcher Aengstlichkeit sorgen die Väter in unseren Tagen für die Zukunft ihrer Söhne, wie möchten sie alle Möglichkeiten in ihren künftigen Lebensschicksalen vorausberechnen, für alle Wechselfälle sie sicher stellen, und wie glücklich dünken sie sich, wenn zu dem Gute, das sie ihren Söhnen geben, noch reicheres hinzugebracht wird, und doch sorgen sie nicht dafür, daß das Weib, welches in ihr Haus zieht, mit dem schönsten weiblichen Schmucke, mit Religiosität, geschmückt sei, doch tragen sie keine Sorge dafür, daß ihr Auge in dem Hause ihrer Söhne nicht durch thätliche Verhöhnung ihnen heiliger, religiöser Vorschristen verletzt, in Frömmigkeit und Gottesfurcht ihren Söhnen das be- /?

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