Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 4-5 (1.1875) Januar-Februar
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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90 dem Kreise seiner Verwandten eine Gattin für Isaak nehme. Durch einen Eid mußte Elieser ihm geloben, keine der Töchter der gottlosen Einwohner, unter denen er lebte, als Gattin für Isaak zu wählen. Der Diener reist ab und kommt nach Haran. Durch eine wunderbare Fügung Gottes traf er dort am Brunnen mit Rebekka zusammen, einer Verwandten Abrahams, die ausgestattet war mit allen Eigenschaften, welche sie würdig machten, die Gattin Isaaks zu werden. Er beschenkte sie reichlich, und als er in das Haus ihrer Eltern kam, um Rebekka als Gattin für Isaak zu erbitten, und man ihm mit einer Gastfreundschaft, wie sie in der Familie Abrahams heimisch war, zum Essen vorsetzte, sprach er לא א1כל ״ עד אם דברתי דבדיIck genieße nichts, bis ich meinen Auftrag ausgeführt." Rebekka wird Isaaks Gattin. Mit dem Satze: ״Er führte sie heim in das Zelt seiner Mutter Sarah, sie ward ihm zum Weibe und er liebte sie und er tröstete sich um seine Mutter" — schließt die biblische Erzählung. Drei Momente treten in dieser Erzählung uns entgegen: Die ängstliche Sorgfalt Abrahams bei der Wahl der Schwiegertochter, die Liebe Isaaks zu Rebekka, die treue Pflichterfüllung des Dieners Elieser. Diese drei Momente wollen wir in dieser heil. Stunde zum Gegenstände unserer Belehrung nehmen. I. Befremdend könnte es uns scheinen, daß der milde, nachsichtsvolle und nachgiebige Abraham solche Festigkeit entwickelte, als es sich um die Wahl einer Gattin für seinen Sohn Isaak handelte; daß derselbe Abraham, der nachgiebig genug war, seinem Brudersohne Lot die besseren Weideplätze zu überlassen, daß derselbe Abra- Ham, der in seiner Nachgiebigkeit so weit ging, sich von Hagar und Jsmael zu trennen, weil Sarah es von ihm forderte; daß derselbe Abraham von Nachsicht und Nachgiebigkeit nichts wissen wollte, als für seinen Sohn Isaak die Gattin gewählt werden sollte. Er überläßt es nicht dem Sohne, sich von den Töchtern des Landes die Gattin zu nehmen, sondern besteht mit unnachsichtlicher Festigkeit, mit einer ihm sonst fremden Strenge darauf, daß aus seiner Familie, in welcher der Glaube an den wahren Gott heimisch war, die Gattin für Isaak gewählt werde. Elieser muß ihm die gewissenhaste Ausführung seines Auftrages beschwören, und Abraham erklärt demselben nie und nimmermehr zu dulden, daß eine der gottlosen, der sittenlosen Töchter des Landes in sein Haus, in das Zelt der frommen Sarah, einziehe.