Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 3 (12.1874)
- Date
- 1874-12-01
- Page
- Seite 70 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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70 Zur Aufrichtung dieses Glaubens hat der Prophet nur Eins, den Hinweis auf Gott. Gott mit seiner ewigen Liebe und Barm- Herzigkeit, Gott mit feiner Treue in Erfüllung einer gegebenen Berheißung, Gott, der wohl zeitweilig Leiden schickt, aber nicht auf ewig verdammt, der Berge wanken und Hügel weichen, aber die Menschheit nicht untergehen läßt, Gott kann und muß Vertrauen und Hoffnung auf das Weichen des Bösen und die Erscheinung des Guten einflößen. Dieser Glauben an Gott ist der Fels, an den: sich Jsrael stets gehalten hat und immer sich halten muß, wenn es sich selbst erhalten 1ntb seiner Bestimmung treu bleiben will. — Mit nichts Würdigeren weiß ich daher die Reihe unsrer religiösen Betrachtungen im neuen Synagogenjahr zu eröffnen, als mit einer Besprechung des rechten Glaubens. ״Rechter Glauben!" — höre ich euch erftannt ausrufen — ״Gibt es denn auch einen unrechten, einen falschen Glauben?" ״Wir geben zu — fahret ihr fort — ״der Gegenstand, woran man glaubt, kann etwas Falsches, Jrrthümliches, Ungewisses sein, der Glauben, oder um jeden: Miß- Verständnisse vorzubeugen, das Glauben muß ja wahrhaft sein. Entweder nmn glaubt, oder mar: glaubt nicht, ein Mittleres gibt es nicht." O, daß doch dem so wäre! so wäre bei euch und bei allen Menschen! Es ist aber nicht also, es gilt Vieles für Glauben, was es nicht ist; es scheinen Viele zu glauben und es ist doch nicht der Fall. Un: euch das zu beweisen, will ich versuchen euch einige Arten von Glauben, die diesen Namen nicht verdienen, vor die Seele zu führen, in der Hoffnung, euch dadurch in den Stand zu setzen, den wahren Glauben euch anzueignen. Wir finden die falschen Weisen des Glaubens in einem Allsspruche des Talmuds angedeutet. In: Tr. Berachoth 47, a heißt es: ת״ר אין עונץ לא אמן חטופה ולא אמן קטופה ולא אמז יתומה ♦ ♦ ♦ ♦ זכל המאריך באמן מאריכין לא ימיו. ״Lehrer Haber: vorgetrngen: Man spreche nicht ein zu rasches An:en, auch rächt ein abgebrochenes Amer: urrd nicht eir: verrvaistes Arnerr . . . Wer lange arrshült mit dem Amen, derr: wird larrges Leber: zu Theil." Das Wörtchen ״Amen" zu spreche!:, ist so leicht, daß mar: sich fast wunderr: kör:r:te, eine ausführliche Belehrung darüber zu Hörer:, rv:e es gesprochen werde!: soll, rrr:d vier besondere Arte!: davon unterschiede!: zu sehe!:. Zwar dürfen wir hier nicht vergessen, daß zu den Zeiten, als die Talnrudlehrer so sehr durch ihr Wissen hervorragten, die Ungelehrten un: so unwissender waren, ferner, daß